Apothekenangestellte vollständig geimpft

Inhaber: Ungeimpft und in Quarantäne

, Uhr
Berlin -

Die große Mehrheit der Apothekenangestellten ist vollständig geimpft. Die Impfbereitschaft ist groß und viele Betriebe bieten mittlerweile selbst Covid-19-Impfungen an. Doch es gibt vereinzelt Ausnahmen: Weil zu wenig Informationen über die Vakzine erhältlich seien, will sich Apotheker Joseph Neumann* nicht impfen lassen. Momentan befindet er sich – infiziert mit Sars-Cov-2 – in häuslicher Quarantäne.

Die ersten Tage seien „nicht richtig gut“ gewesen, sagt der Pharmazeut, der seinen Namen lieber nicht öffentlich nennen will. Als selbstständiger Apotheker stehe er in der Öffentlichkeit und befürchtet Anfeindungen, wenn seine persönliche Haltung zur Impfung publik wird. Die Informationen über die Inhaltsstoffe und Nebenwirkungen sind für ihn jedoch nicht ausreichend: „Normalerweise wird jahrelang geforscht, das fehlt hier. Ich bekomme eine Packung ohne Beipackzettel dazu.“ Tatsächlich informiert die Bundesregierung auf der Internetseite zusammengegencorona.de detailliert über die Häufigkeit von möglichen Nebenwirkungen.

„Ich bin der Einzige“

Neumann entschied er sich zunächst dagegen, einen mRNA-Impfstoff zu bekommen. Das Risiko sei im Vergleich zum Nutzen für ihn zu hoch: „Die Impfung kann nach hinten losgehen.“ Auch Novavax überzeugt ihn mittlerweile nicht mehr. Im Team steht er mit seiner Haltung alleine da. „Alle sind geimpft. Ich bin der Einzige.“ Der Chef ist jedoch froh, dass seine Entscheidung gegen die Impfung keine Diskussionen hervorrufe.

Vielleicht liegt das auch an seiner allgemeinen Haltung zum Virus. Die Hygienemaßnahmen würden strikt eingehalten, auch weil die Apotheke vor Ort ein Vorbild für die Kund:innen sei. Jeder trage Maske und seit einem Jahr werden Antigen-Schnelltests angeboten. Auch das Angebot von Covid-19-Impfungen in der Apotheke ist vorbereitet. Mehrere Angestellte seien geschult. Zweifel bestünden, ob er die Dienstleistung tatsächlich entgegen seiner persönlichen Meinung anbieten werde. Momentan müsse er sich jedoch nicht entscheiden: Während im Dezember laufend Nachfragen von Kund:innen gekommen seien, gebe es aktuell kein Interesse an einer Impfung in der Apotheke. „Die Nachfrage liegt bei null.“

Neumann betont, dass er kein Querdenker sei. „Ich gehe nicht auf die Straße und sage, Impfen ist gefährlich. Das muss jeder für sich selbst entscheiden.“ Eine allgemeine Impfpflicht befürwortet er nicht. „Ich will nicht hoffen, dass das kommt. Das ist keine Lösung.“ Für ihn ist wichtig, dass die Leute verstünden, dass die Immunisierung keine Rettung schlechthin sein. „Viele wundern sich, dass sie sich trotzdem infizieren. Keiner fragt sich, was er noch für sein Immunsystem und seine Gesundheit tun kann.“

Freitestung steht bevor

Das Fieber sei mittlerweile überwunden und die Symptome insgesamt mild. In wenigen Tagen will er sich freitesten und dann auch wieder in der Apotheke arbeiten. Der Apotheker lobt sein Team dafür, dass es hinter ihm steht und ihn vertritt. „Ich bin froh, dass alle da sind, ich habe tolle Mitarbeiter.“

Mit seiner Haltung vertritt Neumann eine Minderheit in der Apotheke: Die allermeisten Apotheker:innen und PTA hatten inzwischen die Möglichkeit, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen, die allermeisten genießen bereits den vollständigen Impfschutz. Rund 85 Prozent der Mitarbeiter:innen in Apotheken sind mindestens einmal gegen Covid-19 geimpft, etwas mehr als 80 Prozent sind sogar schon vollständig geimpft. Das geht aus einer aposcope-Umfrage unter 1110 verifizierten Apotheker:innen und PTA im Auftrag des Podcasts NUR MAL SO ZUM WISSEN hervor.

* Name von der Redaktion geändert

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