Es ist geschafft, auch der dritte und letzte Teil der Apothekenreform ist durch und in Kraft. Heißt für viele Apotheken: Endlich gibt es wieder Skonto. Doch ganz so einfach ist die Sache auch wieder nicht. Denn die Großhändler haben sich erst einmal verdünnisiert.
Nach Monaten des Wartens und Bangens war es am Montag endlich so weit: Die frisch signierte Verordnung zur Änderung der Apothekenbetriebsordnung und anderer Verordnungen erblickte im Bundesgesetzblatt das Licht der Welt – und damit war der Weg nicht nur frei für die jährlichen Honorarverhandlungen, sondern auch und vor allem für das Comeback des Skontos.
Zur Erinnerung: Im Februar 2024 hatte der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden, dass der Großhandel keine Nachlässe gewähren darf, die über seine festgeschriebene Mindestspanne hinausgehen. Der gesetzliche Imperativ sei eindeutig, so das Urteil aus Karlsruhe. Zwei Jahre und zwei Minister später hatten es „handelsübliche Skonti, die im Gegenzug für eine vor Fälligkeit geleistete Zahlung gewährt werden“, endlich wieder in den Gesetzestext geschafft.
Doch die Apothekerinnen und Apotheker hatten die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Zwar hatten die Großhändler sich irgendwann mit der geplanten Neuregelung arrangiert, doch das hieß ja noch lange nicht, dass sie sie auch umsetzen würden. Sanacorp und Phoenix hatten schon im Vorfeld klargemacht, dass bei ihnen im Grunde nichts zu holen sein würde. Auch die Berater hatten in ihren Mandantengesprächen stets die Botschaft im Gepäck, dass es ein 3 plus 3 wohl nicht mehr geben würde.
Seit dieser Woche könnte nun endlich über Skonti verhandelt werden. Könnte. Denn in Woche 1 war der Außendienst für die Apotheken leider kollektiv nicht zu erreichen. Wichtige Jahrestagung, interner Zuständigkeitenwechsel, Kinder krank – es gab jede Menge triftiger Gründe, um nicht mit den Kundinnen und Kunden sprechen zu können. Auch in der zweiten Woche waren die Vertriebsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter unabkömmlich: fehlgeschlagenes IT-Update, Hackerangriff, Straße von Hormus, wir bitten um Entschuldigung.
Immerhin, in Woche 3 dann ein erstes Lebenszeichen: „Wir werden den Verordnungstext eingehend prüfen. Bis dahin bitten wir um Geduld.“
Nachdem in den Wochen 4 bis 6 keine neue Reaktion zu vernehmen war, wurde die sonst so friedfertigen Apothekerinnen und Apotheker ungeduldig. Ob man jetzt bitte einmal über die Konditionen sprechen könne?! Man sitze doch angeblich in einem Boot usw. usf.
Nach weiteren drei Wochen machte Branchenprimus Phoenix endlich den Eisbrecher: Man habe eine Hotline für alle Fragen rund um das Thema Skonto geschaltet, hieß es in einem Fax an die Apotheken. Zwei Wochen später kam noch ein Fax: Leider sei es bei der Angabe der Telefonnummer zu einem bedauerlichen Zahlendreher gekommen, entschuldigte sich der Konzern und teilte eine andere Nummer mit.
„Vielen Dank für Ihren Anruf bei Phoenix. Gerne helfen wir Ihnen bei Ihrem Anliegen weiter. Es sind noch 9271 Anrufer vor Ihnen. Der nächste freie Kundenberater nimmt Ihren Anruf gerne entgegen.“
Mittlerweile hatte auch Gehe/AHD eine Hotline geschaltet. Doch wer hier anrief, landete bei einem Call Center in Pakistan. „Halloooo? Kann Sie ganz schlecht hören! Möchten Sie eine Bestellung aufgeben?“
Bei der Noweda hatte man das Sorgentelefon vorsichtshalber direkt in einen leeren Kellerraum gestellt, bei der Sanacorp wollte die Weiterleitung zur zuständigen Fachabteilung partout nicht klappen. Und bei Kehr wusste die ebenso charmante wie gewitzte Chefsekretärin jeden Anrufer in ein stundenlanges Gespräch zu verwickeln, bis dieser das Telefonat irgendwann freiwillig aufgab.
Zwei Jahre haben die Apotheken hierfür gekämpft und nun das?! Ganz nach dem Motto „Hätte schlimmer kommen können“ versuchen sie es aber beharrlich weiter. Irgendwann muss der Großhandel ja reagieren. Steter Tropfen und so. In diesem Sinne: dranbleiben! Und ein schönes Wochenende!
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