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Moderner Apothekerkampf Alexander Müller, 17.02.2018 07:54 Uhr

Berlin - Samstag, 3 Uhr in der Früh: Martina und Kai sind extra aufgestanden, um die Entscheidungen bei ihren Lieblingswettkämpfen live zu verfolgen. Jetzt sitzt das Apothekerpaar vorm Fernseher und fiebert mit. Kai sogar wortwörtlich, er hat die Männergrippe. Vielleicht kommt er deshalb zu der etwas verwegenen These: „Apotheke ist im Grunde wie Curling“.

Martina wendet sich ihm mit erhobenen Augenbrauen zu und wartet, ob noch eine Erklärung kommt. „Weil…?“, fragt sie nach gefühlt fünf Minuten. „Wir geben das Arzneimittel ab und können uns nicht sicher sein, wo es am Ende landet. Wenn alles glatt läuft, und die Beratung gut war, kommt es ins Ziel“, erklärt Kai. „Ah ja“, sagt Martina. „Das Wischen vor den Steinen ist die Beratung, die einzige Chance, ihren Weg zu beeinflussen“, fabuliert Kai weiter. „Und dann kommt die Kasse und haut den Stein aus dem Zentrum raus und uns eine Nullretax rein“, erwidert Martina mürrisch.

Aber sie hat sich angesteckt, vielleicht sogar wortwörtlich: „Ich finde Apotheke ist eher wie Abfahrt: Bei der Rezeptbelieferung versucht man irgendwie die Kontrolle zu behalten und nur keinen kleinsten Fehler zu machen, damit man nicht abfliegt.“ Kai schlägt vor: „Oder Bob: Es geht steil bergab mit den Apothekern und wer Pech hat, den haut’s schon vorher aus der Kurve.“

Martina: „Ich mache Einkunstlauf für unsere Kunden. Ich wirbele den ganzen Tag herum und mache die gewagtesten Sprünge. Nur Applaus gibt es selten...“ Kai halblaut: „Ich finde, bei euch sieht das immer eher nach Shorttrack aus, wild und chaotisch.“ „Freestyle Schatz, Freestyle“, sagt Martina. „Das Studium war dann eher Eishockey“, fügt sie hinzu. Wenn der Prof ‘Foul’ gepfiffen hat, musste man seine Strafzeit im Trockensemsester absitzen.“ „Foul?“ „Nein, faul…“

„Oder warte, jetzt hab ich’s: Apotheke ist moderner Fünfkampf: Retax abschießen, Genehmigung durchfechten, im HV ackern wie ein Pferd, Querfeldeinlauf durch das Dickicht der Vorschriften und sich dabei irgendwie über Wasser halten!“ Kai ist stolz wie Bolle. Doch Martina meint nur lächelnd: „Liebling, das gibt es nur bei den olympischen Sommerspielen.“

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