Korruptionsvorwürfe

Spenden und Rezepte: Zyto-Apothekerin vor Gericht Tobias Lau, 13.02.2018 15:09 Uhr

Berlin - Am Landgericht Berlin hat am Dienstag der zweite Apotheker-Prozess innerhalb einer Woche begonnen. Einer 67-jährigen Pharmazeutin und einem 60-jährigen Onkologen der Charité werden besonders schwere Bestechung und Bestechlichkeit in 14 Fällen vorgeworfen. Der angestellte Oberarzt soll der Apothekerin über Jahre Rezepte zugewiesen und als Gegenleistung von ihr elektronische Geräte für seine Ambulanz erhalten haben. Damit hätten sie gegen „elementare Korruptionspräventionsregelungen“ verstoßen, wirft ihnen die Staatsanwaltschaft vor. Die Apothekerin sieht das anders.

Drei Jahre lang sollen Arzt und Apothekerin rechtswidrig voneinander profitiert haben, wirft ihnen die Staatsanwaltschaft vor: Zwischen März 2009 und Februar 2012 habe Professor Dr. Markus R. der Apotheke von Monika L. insgesamt 5000 Zyto-Rezepte mit einem Gesamtwert von 3,7 Millionen Euro zugewiesen. 400.000 Euro Vorteil habe das der Apothekerin eingebracht. Im Gegenzug habe die Inhaberin die Onkologie-Ambulanz, die R. leitete, materiell unterstützt.

In 14 Fällen habe sie dem Haus über die Firma ihres Sohnes technisches Equipment zukommen lassen: Scanner, Drucker, Bildschirme, Laptops und ähnliches in einem Gesamtwert von knapp 30.000 Euro. Gegenüber der Klinikverwaltung soll der Arzt die Herkunft dieser Geräte verschwiegen haben, L. aber habe er entgegen der Drittmittelsatzung der Charité persönlich Spendenbescheinigungen ausgestellt.

Genau das seien die Geräte aber auch gewesen, beteuert die Angeklagte in ihrer Einlassung zu Beginn des Prozesses. Daraufhin erzählt sie – von den Vorwürfen sichtlich getroffen – von der „langen gemeinsamen Geschichte“, die sie mit der Charité habe: Seit 1972 sei sie dem Haus verbunden. Bereits als junge Pharmaziestudentin in der DDR habe sie in der Krankenhausapotheke ihr Praktikum absolviert, bis dahin reichten ihre persönlichen Kontakte zum renommierten Klinikum zurück.

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