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Apobank schließt Bargeldschalter

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Berlin -

Als 2016 in Deutschland eine Diskussion über eine Begrenzung von Bargeldzahlungen ausbrach, gab es einen Sturm der Entrüstung. Jetzt wunderte sich Apotheker Bernd Gerstl aus Hannover nicht schlecht, als ihm die Filiale der dortigen Deutschen Apotheker- und Ärztebank (Apobank) mitteilte, dass ab Dezember der Bargeldschalter geschlossen werden soll. Auf Nachfrage erklärte die Apobank nun, dass innerhalb der nächsten beiden Jahre alle Bargeldschalter in den Filialen verschwinden. Wert legt die Apobank in diesem Zusammenhang auf die Aussage, dass mit der Umstellung keine Filialen aufgegeben werden.

„Wir haben festgestellt, dass sich die Nachfrage unserer Kunden nach unseren Dienstleistungen in den Filialen verschoben hat. Viele Standardtransaktionen werden online abgefragt und Bargeld wird kaum noch in der Filiale bezogen. Daher passen wir unsere Dienstleistungspalette an“, so eine Sprecherin. Die klassische „Kassenhalle“ werde sukzessive innerhalb der nächsten zwei Jahre abgebaut.

Doch die Apobank-Kunden sollen weiter an ihr Bargeld kommen: „Mit Blick auf die Bargeldversorgung investieren wir hier in moderne und leistungsfähige Selbstbedienungstechnik wie beispielsweise Ein- und Auszahlungsautomaten“, so die Sprecherin weiter. Ein weiterer Service sei die Münzgeldversorgung bei Apotheken. Hier habe die Apobank neue Dienstleistungsangebote entwickelt, unter anderem den „Münzgeld-Paketversand“ – die Online- Bestellung und Lieferung zur Apotheke. „Vom Münzgeld-Paketversand profitieren damit auch solche Apotheken, die eine vergleichsweise längere Fahrtzeit zu unseren Filialen haben. Die bisherige Resonanz unserer Kunden ist positiv“, sagt die Sprecherin. Der neue Service kostet allerdings Geld.

Obwohl in der Filiale in Hannover schon Bankautomaten installiert sind, fühlt sich Apotheker Gerstl von der Hölty-Apotheke von der Apobank über die Umstellung nicht hinreichend informiert. Er bringe mehrfach in der Woche das Bargeld zur Apobank-Filiale. Beim letzten Besuch habe er einen Flyer mit den Hinweisen auf den neuen Bargeldservice der Apobank erhalten, erzählt Gerstl. Zwei Anfahrten pro Woche kosten 240 Euro im Monat. Damit er von seinem Geschäftskonto Bargeld abheben und darauf einzahlen könne, müsse er eine „Einzahlkarte“ beantragen. Die koste eine einmalige Gebühr, erfuhr er in der Bank.

Die Apobank sieht in der Maßnahme eine Reaktion auf das veränderte Kundenverhalten: „Das Apobank-Filialnetz selbst steht unverändert nicht zur Disposition. Die Filiale ist und bleibt aus unserer Sicht eine wichtige Anlaufstelle für unsere Kunden – insbesondere für das persönliche Gespräch mit dem Berater. Wir bauen in den Filialen weiter Kapazitäten auf, um unsere Beratungsdienstleistungen zu intensivieren“, so die Sprecherin.

Über den neuen Bargeldservice der Apobank hatte APOTHEKE ADHOC bereits berichtet: „Der Apothekenservice ist ein exklusives Angebot für selbstständige Apotheker. Als Kunden der Apobank können Sie Banknoten und Münzgeld für die Ein­zahlung auf Ihr Konto regelmäßig von einem Werttransportunternehmen abholen lassen“, erläuterte Bernhard Koelmer, Regionalleiter der Apobank in Erfurt. „Wir bieten den Service als Pilotstandort schon seit einigen Monaten unseren Kunden an, und die Erfahrungen sind bisher positiv.“ Insbesondere für Apotheken mit sehr hohem Bargeldaufkommen ist unser Apothekenservice eine attraktive Alternative.“

Die Apotheker könnten den neuen Service der Apobank auf ihre Bedürfnisse zuschneiden: Die Anfahrt eines Werttransporters einmal pro Monat kostet 40 Euro, die 14-tägige Anfahrt 80 Euro pro Monat. Wer wöchentlich sein Bargeld abholen lassen möchte, muss 140 Euro pro Monat bezahlen, zwei Anfahrten pro Woche kosten 240 Euro pro Monat. Die Preise verstehen sich zuzüglich Mehrwertsteuer.

Die Apobank kooperiert mit regionalen Werttransportunternehmen: „Mit deren Hilfe wird das Geld absolut sicher abgeholt. Anschließend wird das Geld für die Einzahlung aufbereitet und taggleich auf das Apotheken-Konto gebucht“, so Koelmer. Die Gebührenabrechnung erfolgt monatlich über das bei der Registrierung angegebene Konto.

Über das zugehörige Online-Portal können demnächst auch Banknoten und Münzrollen geordert und in die Apotheke geliefert werden: „Die Kosten zur Bearbeitung des eingezahlten Bargeldes sowie der ausgelieferten Münzrollen und Banknoten übernimmt die Apobank“, so Koelmer.

Als bequeme Alternative zum neuen Bargeldservice sieht die Apobank die intensivere Nutzung von bargeldlosen Zahlungssystemen. „Das könnten Apotheker aktiver anbieten“, berichtet Koelmer. Dabei liegen die Vorteile des bargeldloses Bezahlens in der Apotheke auf der Hand: geringer Bargeldbestand, einfache und schnelle Abwicklung, bessere Liquidität auf dem Konto, Kostenersparnis bei Rechnungsversand und Mahnwesen und leichte Kontrolle der Zahlungseingänge. Außerdem sei den meisten Kunden das Verfahren bekannt.

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