Fachkräftemangel

PTA-Suche: „Jetzt noch schnell kündigen!“

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Berlin -

Der Arbeitsmarkt ist leer. Tausende Arbeitgeber beschweren sich über den Fachkräftemangel – da hilft oft nur abwerben, statt aus dem schrumpfenden Pool der Arbeitssuchenden zu rekrutieren. Die Pluspunkt Apotheke im Oder-Center geht dabei besonders offensiv vor. „Jetzt noch schnell kündigen!“, fordert diese nämlich PTA und PKA auf, damit sie pünktlich zum neuen Jahr dort anfangen können. Gegen die direkte Konkurrenz ist das allerdings nicht gerichtet, versichert Inhaber Marcel Wree.

„Lust auf was Neues?“, fragt die Apotheke im brandenburgischen Schwedt auf ihrer Facebook-Seite. „Wir brauchen Verstärkung in unserer Apotheke und suchen motivierte, kommunikative und allzeit gut gelaunte PKA/PTAs in Voll- oder Teilzeit.“ Im dazugehörigen Bild markiert eine rote Pin-Nadel extra den 31. – Jahresende, Kündigungsfrist.

Seinen Kollegen die Mitarbeiter ausspannen will er damit aber keineswegs, betont Apotheker Wree. „Wir verstehen uns gut mit der Konkurrenz hier. Ich glaube nicht, dass sich da jemand auf den Schlips getreten fühlt“, sagt er. „Man sollte da kein großes Ding draus machen. Klar ist es eine offensive Anzeige, aber nur so kriegt man eben auf Facebook Aufmerksamkeit.“ Und das sei nunmal das, worum es bei der Suche nach neuen Mitarbeitern geht. „Nur mit solchen Sachen bleibt man da hängen.“

Auch das Abwerben von Personal sei nichts, was man dramatisieren müsse. „Das ist was ganz Alltägliches, das ging mir ja umgekehrt schon genauso“, betont Wree. „Dann hätte ich mich ja auch ein Fass aufmachen können, als Mitarbeiter von mir in andere Apotheken gewechselt sind.“ Wer interessiert ist, kann sich auch direkt über Facebook melden, so der Post. „Hallo sagen, Termin vereinbaren und euch von unserem Team mitreißen lassen“, heißt es Social-Media-gerecht mit allerlei Emojis dekoriert.

Der mittlerweile fast chronische Fachkräftemangel bringt Inhaber immer wieder auf neue Ideen, um Personal zu rekrutieren. Besonders naheliegend, um qualifizierte Mitarbeiter zu ködern: Geld. So hatte Apotheker Philipp Heldmann, Inhaber von Heldmann's Apotheke Q6Q7 in Mannheim, Ende 2017 so händeringend nach PTA gesucht, dass er ihnen beim Wechsel aus einer anderen Apotheken ein besonderes Angebot machte: eine Wechselprämie.

„Sie erhalten von uns bei Zustandekommen eines Arbeitsvertrages einmalig 1000 Euro“, war in der Stellenanzeige zu lesen. Bei den Kollegen werde er mit seiner Wechselprämie keine Sympathien finden, war sich der Apotheker sicher. Dennoch lasse der vorherrschende Fachkräftemangel beinahe keine andere Wahl.

Nicht nur eine Wechselprämie kann Erfolg versprechen, sondern auch gütige Gehaltsversprechen. So hat die Pelikan-Apotheke im sächsischen Marienfelde im August so händeringend einen Approbierten gesucht, dass sie in einer Stellenausschreibung damit warb, 70 Prozent über Tarif zu bezahlen – dabei gilt der Gehaltstarifvertrag in Sachsen nicht mal. Ein Approbierter mit zwei bis fünf Jahren Berufserfahrung würde mit dem Aufschlag statt 3469 Euro monatlich stolze 5897 Euro bekommen. Gefunden hat sich nach diesem Aufruf auch jemand.

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