„Der Betriebsablauf darf nicht gestört werden“

Angestellte abwerben: Das ist nicht erlaubt

, Uhr
Berlin -

Pharmazeutische Fachkräfte zu finden, ist zur Mammutaufgabe für viele Inhaber:innen geworden. Weil das Angebot an Mitarbeiter:innen auf Jobsuche kaum vorhanden ist, werden Angestellte in anderen Apotheken interessant. Wettbewerbsrechtsexperte Heiko Lenz erklärt, was beim Abwerben erlaubt ist und wann rechtliche Konsequenzen drohen.

Das Abwerben von Mitarbeiter:innen durch Dritte sei grundsätzlich zulässig, sagt Lenz, der bei der Industrie- und Handelskammer Pfalz für den Bereich Wettbewerbsrecht zuständig ist. „Unternehmen haben keinen Anspruch auf den Bestand ihrer Mitarbeiter, da diese in der Wahl ihres Arbeitsplatzes frei sind.“ Mitbewerber oder sogenannte Headhunter müssen sich jedoch an einige Vorschriften halten, wenn sie versuchen, in einem fremden Team neue Angestellte zu finden.

Eine Viertelstunde Telefonat ist zu viel

Nicht erlaubt sei beispielsweise, mit dem Abwerben den Betriebsablauf zu stören. Apothekenmitarbeiter:innen berichten davon, dass sie während der Arbeit von anderen Apotheker:innen angerufen und auf einen Wechsel angesprochen werden. „Man kann nicht pauschal sagen, wann es unlauter ist. Aber wenn jemand ständig anruft oder den Mitarbeiter eine Viertelstunde aufhält, könnte es die Abläufe stören“, so Lenz.

Die Gerichte bewerten Lenz zufolge Abwerbeversuche über den geschäftlichen Telefonanschluss unterschiedlich. „Ein Teil sieht bereits einen einmaligen Anruf als unlauter und als Eingriff in den Gewerbebetrieb an, ein anderer Teil der Gerichte wiederum verlangt zumindest nachhaltig und wiederholte Anrufe.“ Auch der Inhalt sei entscheidend: „Ein einmaliger Anruf zum Zweck der bloßen Vereinbarung zu einem Abwerbungsgespräch wurde als nicht unlauter angesehen, während jedoch Anrufe, die beispielsweise den Zweck haben, den angesprochenen Mitarbeiter als Informationsquelle für andere Abwerbungskandidaten zu benutzen in der Regel als wettbewerbswidrig gewertet werden.“

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Umlautprobleme und Botendienstsorge
E-Rezept: Vor- und Nachteile in der Praxis»
Ärzt:innen warnen vor Zwangseinführung
KV Hessen: Resolution gegen das E-Rezept»
Neues Angebot für die Schweiz
Weleda will Rezepturen herstellen»
Dynamischer Energiekostenbeitrag
Sanacorp: Gebühr je nach Dieselpreis»
Umbruch beim Großhändler
AEP: Die zweite Reihe geht»
ApoRetrO – der satirische Wochenrückblick
Großhandelskonditionen auf einen Blick»
Pharmazeutische Dienstleistungen
PharmDL: Warten auf den Schiedsspruch»
Auf antibakterielle Wirkstoffe besser verzichten
Hautcremes können dem Mikrobiom schaden»
Erste Leitlinie für Diagnose & Behandlung
Vitiligo: Wenn der Haut die Pigmente fehlen»