Fachkräftemangel

70 Prozent über Tarif Eugenie Ankowitsch, 08.08.2018 15:18 Uhr

Berlin - Michael Lohse führt die Pelikan-Apotheke im sächsischen Marienberg. Auf der Suche nach einem Approbierten für seine Apotheke musste er tief in die Tasche greifen. Um einen Pharmazeuten aufs Land zu locken, bot er in einer Stellenanzeige nicht nur ein Tarifgehalt an, sondern versprach 70 Prozent draufzulegen. Immerhin hatte er damit Erfolg.

Während Apothekeninhaber potenzielle Bewerber immer öfter mit ausgefallenen Anzeigen in sozialen Medien auf sich aufmerksam machen wollen, ist die Anzeige von Lohse in höchstem Maße schlicht: „Wir suchen zur Verstärkung unseres Teams freundlichen und zuverlässigen Apotheker in Voll- oder Teilzeit“, steht dort. Kontaktdaten. Fertig ist die Anzeige. Doch dazwischen findet sich ein kleiner Einschub, der das wohl entscheidende Argument für Pharmazeuten liefern soll, schon ganz bald in der Pelikan-Apotheke anzufangen: Bezahlung 70 Prozent über Tarif.

„Tja, was soll man machen“, sagt der Apotheker. „Der Markt regelt die Preise. Und hier an der Grenze zu Tschechien ist es extrem schwierig, Approbierte zu finden.“ Bis Dresden sind es 75 Kilometer. Bis zur nächstgrößeren Stadt Chemnitz immerhin noch 30. Aber diese Strecke wolle niemand mehr für ein Standard-Gehalt fahren, weiß der Pharmazeut.

Vor einigen Monaten hat die einzige angestellte Apothekerin im Team gekündigt. Seitdem war Lohse auf der Suche. Zunächst vergeblich. „Zwar habe ich noch einige Pharmazieingenieure aus den DDR-Zeiten im Team“, sagt er. Wenn sie aber in den nächsten Jahren in Rente gehen, werde sich der Fachkräftemangel im Osten nochmals spürbar verschärfen.

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