Nasenspray: Wege aus der Sucht

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Berlin -

Abschwellende Nasensprays zählen zu den absatzstärksten Produkten in Apotheken. Von den scheinbar harmlosen Produkten wurden 2017 etwa 80 Millionen Packungen abgegeben. Der Grund ist nicht immer nur die Schnupfnase – manche Patienten kommen schlichtweg nicht mehr ohne Nasenspray aus.

Xylometazolin und Oxymetazolin scheinen das neue Dope zu sein. Zwar handelt es sich bei den Substanzen nicht um Designerdrogen, sondern um bekannte Sympathomimetika. Sie wirken gefäßverengend und lassen die Nasenschleimhäute durch Einfluss auf die Alpha-Adrenozeptoren abschwellen – die Nase ist frei, Durchatmen kein Problem. Gefährlich kann es werden, wenn die maximale Anwendungsdauer überschritten wird. Wer die vorgegebenen sieben Tage überschreitet, kann in eine Abhängigkeit rutschen.

Bereits nach nur zehn Tagen kontinuierlichen Gebrauchs kann die Nasenschleimhaut dauerhaft anschwellen und die Atmung erschweren. Ursache kann der Rebound-Effekt durch die Stimulation der Beta-Rezeptoren sein, die einen gefäßerweiternden Effekt hervorrufen. Der gefäßverengende Effekt überwiegt, die Wirkung auf die Beta-Rezeptoren dauert jedoch länger an. Diskutiert wird ebenfalls eine Gewöhnung durch Überstimulation der Alpha-Rezeptoren. Die Betroffenen sprühen weiter und geraten in einen Teufelskreis. Die Nasenschleimhäute trocknen mehr und mehr aus und werden rissig. Ärzte sprechen von einer Rhinitis medicamentosa.

Laut Bundesapothekerkammer sind in Deutschland zwischen 6 und 9 Prozent von der Volksdroge Nasenspray abhängig. Was den Betroffenen bleibt ist der Entzug oder im schlimmsten Fall eine Operation. Die Abhängigen können entweder den Weg des kalten Absetzens gehen oder das Nasenspray ausschleichen. Wird das Spray ganz abgesetzt, muss zu Beginn mit einer verstopften Nase gekämpft werden, eine Besserung ist nach etwa zwei bis drei Wochen zu erwarten. Dabei ist viel Durchhhaltekraft bei hohem Leidensdruck gefragt.

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