Suchterkrankungen

Nasenspray gegen Glücksspielsucht Deniz Cicek-Görkem, 24.01.2018 09:37 Uhr

Berlin - Glücksspielsucht ist eine anerkannte Krankheit, die mit der Vernachlässigung von Familie, Berufsleben und sozialen Kontakten einhergeht. Spielsüchtige weichen normalen Alltagsproblemen und negativen Gefühlen aus, indem sie spielen. Dieser krankhafte Zustand kann für einige Menschen zu einem ernsthaften Problem werden. Finnische Forscher haben Ansätze für eine neue Therapie entwickelt: ein Nasenspray, dass das Verlangen nach spielen unterdrücken soll. In der kommenden Woche startet eine Studie.

Bislang gibt es keine Arzneimittel, die bei der Glücksspielsucht eingesetzt werden. Infrage kommen lediglich psychotherapeutische Maßnahmen wie die Verhaltenstherapie. Finnische Wissenschaftler arbeiten derzeit an einem Nasenspray mit Naloxon, das die Spieler vom Glücksspiel abhalten soll. Naloxon ist ein Opioid-Antagonist und aus der Notfallmedizin als Antidot bekannt.

Im menschlichen Körper kommt γ-Hydroxybuttersäure (GHB) vor, ein Neurotransmitter mit dopaminergen Wirkungen. Die GHB-stimulierte Dopaminfreisetzung kann mittels Opioidantagonisten wie Naloxon antagonisiert werden. Dopamin wird mit Lust und Belohnung in Verbindung gebracht. Das Nasenspray soll die Produktion von Dopamin blockieren und somit Abhilfe für Spielsüchtige schaffen.

Um dies zu überprüfen, werden in der kommenden Woche 130 Personen an einer placebo-kontrollierten Studie teilnehmen, die voraussichtlich ein Jahr dauern soll. „Das Spray gelangt innerhalb von Minuten ins Gehirn, daher ist es sehr nützlich für Spieler. Wenn das Verlangen nach dem Spiel einsetzt, benutzt man einfach das Spray“, sagt Professor Dr. Hannu Alho, der am Nationalen Institut für Gesundheit und Soziales in Helsinki zum Thema Suchtmedizin forscht.

Ihm zufolge sind frühere Ansätze zu diesem Thema gescheitert, weil die Tablette aufgrund der langsamen Resorption nicht schnell genug wirkte. „Glücksspiel ist ein sehr impulsives Verhalten. Die Notwendigkeit zu spielen, beginnt sofort“, so Alho. Aus diesem Grund suchten sie eine schnell wirksame Arzneiform und entschieden sich für ein Nasenspray.

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