ICD-11 Katalog

WHO deklariert Spielsucht als Krankheit dpa, 14.06.2018 08:18 Uhr

Berlin - Computer- oder Videospielen gilt nach einem neuen Verzeichnis der Weltgesundheitsorganisation (WHO) demnächst als Krankheit. Gaming Disorder oder Online-Spielsucht wird in den neuen Katalog der Krankheiten (ICD-11) aufgenommen, wie die WHO beschlossen hat, hinter Glücksspielsucht. Der Katalog erscheint am 18. Juni.

Die Aufnahme ist unter Wissenschaftlern umstritten. Spieler könnten dadurch grundlos als therapiebedürftig stigmatisiert werden, sagen sie. Vladimir Poznyak vom WHO-Programm Suchtmittelmissbrauch widerspricht. Die Abgrenzung zwischen Spielspaß und Sucht sei klar definiert, so Poznyak. Der Katalog dient zum einen Ärzten als Hilfe bei der Diagnose. Zum anderen nutzen Krankenkassen ihn oft als Grundlage für Kostenübernahmen.

Die 11. Auflage des Katalogs „International Classification of Diseases” (ICD-11) muss formell noch von der Weltgesundheitsversammlung im kommenden Frühjahr abgesegnet werden. Das gilt als Formalität. Der Katalog enthält tausende Krankheiten. Die 10. Auflage stammte aus dem Jahr 1992 und ist laufend aktualisiert worden.

Bei den Wissenschaftlern ist die neue Krankheit umstritten. Die Befürworter von Spielsucht als Krankheit können viele gestörte Patienten anführen, sogar Todesfälle. Ein 24-Jähriger in Shanghai starb 2015 nach 19 Stunden nonstop „World of Warcraft”, ein taiwanesischeer Teenager starb 2012 nach 40 Stunden „Diablo 3”, 2017 starb ein 35-jähriger Amerikaner bei einem „World of Tanks”-Marathon.

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