Selbstmedikation

Beratungsbrett: Blasenentzündung

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Berlin -

Im Laufe des Lebens erkrankt jede zweite Frau mindestens einmal an einer Blasenentzündung. Bei jeder vierten Betroffenen ist der Infekt gar rezidiv. Ein Überblick zum Thema Cystitis, der die Möglichkeiten und Grenzen der Selbstmedikation aufzeigt und Tipps bei ärztlichen Verschreibungen gibt.

Selbstmedikation: Symptome und Grenzen
Klagt die Kundin über Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen und leidet unter häufigem Harndrang, kann aber nur geringe Urinmengen ablassen, können dies Anzeichen einer Blasenentzündung sein. Kommen Krämpfe im Bauchraum hinzu, ist der Urin getrübt oder Blut enthalten oder ist die Betroffene fiebrig, sollte ein Arzt konsultiert werden. Auch Schwangere sollten an einen Arzt verwiesen werden.

Ursache für eine Cystitis können Bakterien sein. E. Coli kann unkomplizierte und komplizierte Infekte verursachen. Enterokokken, Staphylokokken und Pseudomonas lösen meist komplizierte Harnwegsentzündungen aus. Bestimmte Faktoren können das Risiko einer Cystitis erhöhen. Dazu zählen beispielsweise Diabetes, eine übertriebene Intimhygiene, bestimmte Arzneimittel, Östrogenmangel in den Wechseljahren, Katheterisierung oder häufiger Geschlechtsverkehr. Die „Honeymoon Cystitis“ kann durch die Verwendung von Diaphragmen oder Spermizide verstärkt auftreten. Auch Männer können aufgrund einer benignen Prostatahyperplasie an einem Harnwegsinfekt erkranken.

Behandlung:
Ist von einer unkomplizierten Infektion mit häufigem Wasserlassen mit nur geringen Harnmengen die Rede, sind keine funktionellen oder anatomischen Anomalien im Harntrakt vorhanden und liegt keine Nierenfunktionsstörungen vor, spricht man von einer unkomplizierten Harnwegsinfektion. Im Rahmen der Selbstmedikation stehen verschiedene Präparate zur Verfügung. In die S3-Leitlinie wurden pflanzliche Arzneimittel und Mannose aufgenommen.

Das bekannteste Phytotherapeutikum zur Behandlung einer Cystitis sind Bärentraubenblätter. Das enthaltene Arbutin besitzt antibakterielle und desinfizierende Eigenschaften. Jedoch können bei längerer Anwendung gastrointestinale Beschwerden wie Magenreizungen oder Obstipation auftreten. Arbutin wird im Körper zu Hydrochinon umgewandelt, welches als leberschädigend und krebserregend gilt. Daher sollte es nur kurzzeitig und nicht häufiger angewendet werden. Die Leitlinie beschränkt den Einsatz von Bärentraubenblättern auf maximal einen Monat pro Jahr. Die Gebrauchsinformationen enthalten einen Hinweis auf die Anwendungsbeschränkung. Die Produkte sollten nicht länger als 1 Woche und nicht häufiger als fünfmal im Jahr angewendet werden. Präparate mit Bärentraubenblättern sind unter anderem Arctuvan (Klinge), Cystinol akut Dragees (Schaper & Brümmer) und Uvalysat Bürger (Johannes Bürger Ysatfabrik) sowie der Tee von Sidroga.

Neben Bärentraubenblättern wird auch Goldrutenkraut zur Behandlung unkomplizierter Blasenentzündungen eingesetzt. Das Kraut besitzt diuretische, spasmolytische und antiphlogistische Eigenschaften und ist in Tees sowie in Cystinol long Kapseln sowie in Kombination mit Bärentraubenblättern in Cystinol akut Lösung enthalten.

Canephron N und Canephron Uno (Bionorica) sind als traditionelle pflanzliche Arzneimittel zur unterstützenden Behandlung und Ergänzung spezifischer Maßnahmen bei leichten Beschwerden entzündlicher Erkrankungen der ableitenden Harnwege indiziert. Enthalten sind Tausendgüldenkraut-, Liebstöckel- und Rosmarinpulver. Canephron N enthält je 18 mg, Canephorn ist doppelt so stark. Das Arzneimittel ist der Marktführer im Bereich der pflanzlichen Urologika.

Die S3-Leitlinie empfiehlt einen Einsatz der Kombination aus Kapuzinerkresse und Meerrettichwurzel (Angocin, Repha). Senfölen werden antibakterielle und antivirale Eigenschaften zugesprochen.

Die Experten haben im vergangenen Jahr den Zucker D-Mannose in die Empfehlung aufgenommen, denn die Wirksamkeit wurde im Vergleich zu Nitrofurantoin bestätigt und die Studienergebnisse im „World Journal of Urology“ veröffentlicht. Mannose konnte eine dem Antibiotikum gleichwertige Wirkung erzielen – mit signifikant weniger Nebenwirkungen. D-Mannose wird unverändert aus dem Körper wieder ausgeschieden und nicht resorbiert. Der Zucker soll die Bakterien ummanteln und somit verhindern, dass sich diese in den Schleimhäuten anheften können. Mit dem Urin werden dann D-Mannose und eingeschlossene Bakterien ausgespült. Bei häufig rezidivierender Cystitis der Frau kann Mannose laut Leitlinie empfohlen werden. Enthalten ist Mannose beispielsweise in Femannose N (Klosterfrau) und UroCys (Hübner).

Die Experten konnten für Cranberry-Präparate keine Empfehlung aussprechen, da die Studienergebnisse widersprüchlich sind. Dennoch werden Cranberry-Präparate als Kapseln, Pulver oder Saft bei unkomplizierten Blasenentzündungen eingesetzt.

Trommsdorff hat Utipro Plus im Handel. Das Medizinprodukt soll unkomplizierte Harnwegsinfekte mit einer Doppelstrategie therapieren. Xyloglucan-Gelatine setzt in der Darmschleimhaut an und soll Blasenentzündung auslösende Bakterien fern halten. Mit Hibiskus und Propolis sollen der Harn angesäuert und das Wachstum der Erreger gehemmt werden.

Bei allen unkomplizierten Harnwegsinfekten steht neben der Schmerzlinderung, zum Beispiel mit Ibuprofen, vor allem die Durchspülungstherapie im Vordergrund. Diese wird mit Nieren- und Blasentees durchgeführt, um die Harnmenge zu erhöhen.

Ärztliche Verschreibung:
Fosfomycin und Nitrofurantoin werden zur Therapie von bakteriellen Harnwegsinfektionen (HWI) eingesetzt. Die Arzneistoffe sind Mittel der ersten Wahl, erst bei Kontraindikationen oder Nichtwirksamkeit werden Substanzen wie Trimethoprim, Cefpodoxim oder Ciprofloxacin eingesetzt. Während Nitrufurantoin mehrmals täglich über mehrere Tage eingenommen werden muss, wird Fosfomycin als Einmaldosis angewendet.

Die Betroffenen sollten das Granulat in Wasser oder einem nicht alkoholischen Getränk auflösen und etwa zwei Stunden vor beziehungsweise zwei Stunden nach einer Mahlzeit trinken. Für etwa drei bis vier Stunden nach der Anwendung sollten die Betroffenen es vermeiden, Wasser zu lassen, da die maximale Serumkonzentration nach oraler Gabe nach zwei bis drei Stunden erreicht ist. Ist der zeitliche Abstand verstrichen, kann eine durchspülende Therapie mit Tees empfohlen werden.

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