„Wenn wir nichts tun, sinkt die Apothekenzahl weiter“

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ADHOC: Wie beurteilen Sie als Pharmazeut die Veränderungen auf dem Apothekenmarkt?
CRANZ: Da verändert sich derzeit sehr viel. Das beobachten wir mit großer Aufmerksamkeit. Uns liegt aus vielerlei Gründen sehr viel an der Apotheke vor Ort. Die persönliche Verbindung zwischen Apotheker, dem Apothekenpersonal und den Patienten ist eine wichtige Stütze in unserem Gesundheitssystem, für den Arzneimittelbereich und vor allem für die Selbstmedikation. Diese Struktur nicht zu erhalten, wäre ein großer Schaden. Deshalb unterstützen wir alle Bemühungen, die Apotheke vor Ort zu schützen. Natürlich sehen wir auch die Veränderungen im Markt. Darauf müssen wir und vor allem die Politik reagieren. Wir sehen doch wie die Stimmung in den Regionen kippt, in denen es keine Apotheke mehr gibt. Das ist erst der Anfang. Wenn wir nichts tun, sinkt die Apothekenzahl weiter.

ADHOC: Der Politik ist es doch egal, wie das Arzneimittel zum Patienten kommt. Der Versandhandel ist als Lieferweg längst anerkannt.
CRANZ: Egal ist es trotzdem nicht. Das Produkt kommt immer mit der Information. Ganz besonders beim Arzneimittel. Der Apotheker ist nicht ersetzbar. Die persönliche Kommunikation, die sogenannten Soft Skills, sind nicht durch künstliche Intelligenz ersetzbar. Das gilt vielleicht nicht für alle Berufe, für Apotheker aber schon. Ich sehe nicht, dass ein Roboter demnächst in der Apotheke die Beratung übernimmt. Bei aller Digitalisierungseuphorie müssen wird vorsichtig sein, dass wir etablierte Strukturen nicht zerstören.

Cranz leitet den BAH seit Juni; er hatte die Nachfolge von Dr. Martin Weiser angetreten. 30 Jahre lang hatte er zuvor als Hauptgeschäftsführer den europäischen OTC-Dachverband AESGP geführt. 1988 kam er vom Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) in Frankfurt nach Paris, dem damaligen Sitz der AESGP. Mit dem Lobbyverband zog er nach Brüssel, auf 500 Meter Nähe an die EU-Kommission. Ab 1977 hatte er Pharmazie in Tübingen studiert und in dieser Zeit Praxiserfahrung in der Offizin gesammelt. Prägend waren jedoch erste Berufserfahrungen in der Pharmaindustrie bei Ciba und Bayer. Nachdem er seinen Lebenslauf in Düsseldorf durch Promotion und Wirtschaftsstudium abgerundet hatte, zog es ihn jedoch nach ans Kieler Institut für Gesundheits-System-Forschung (IGSF). In einem vierköpfigen Team um Institutsgründer und CDU-Politiker Professor Dr. Fritz Beske sammelt er dort Erfahrungen in Gesundheitspolitik und -ökonomie. Er machte sich einen Namen in der Branche, sodass Ende der 80er-Jahre der BPI auf ihn aufmerksam wurde.

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