Nebenwirkungen: BfArM will KI nutzen

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Berlin -

Mit einer gemeinsamen, weltweiten Kampagne wollen die Arzneimittelbehörden erneut dazu auffordern, Verdachtsfälle von Nebenwirkungen über die behördlichen Meldewege mitzuteilen, um insgesamt die Arzneimittelsicherheit zu verbessern. In diesem Jahr liegt der Fokus auf der Polypharmazie.

Bereits zum vierten Mal in Folge findet die Kampagne statt: Insgesamt nehmen weltweit 57 Arzneimittelbehörden teil – somit sind Staaten aller Kontinente vertreten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die EU-Kommission sowie die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sowie das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) unterstützen die Kampagne. Da der Fokus in diesem Jahr auf der Behandlung mit mehreren verschiedenen Arzneimitteln liegt, sollen vor allem Patienten, deren Angehörige sowie medizinisches Fachpersonal sensibilisiert werden: Denn eine gleichzeitige Behandlung mit mehreren verschiedenen Arzneimitteln kann möglicherweise auch zu unerwünschten Reaktionen führen.

Häufig sei den Menschen nicht bewusst, dass Arzneimittel sich gegenseitig beeinflussen oder ihre Kombination unerwünschte Reaktionen hervorrufen können, erklärt PEI-Präsident Professor Dr. Klaus Cichutek. Je größer die Anzahl der eingenommenen Medikamente, desto mehr sollten Patienten darauf achten, ob neue Symptome auftreten. Bei einem Verdacht sollen diese an die Behörden gemeldet werden, erläutert Cichutek. „Das Erfassen großer Datenmengen ist eine Voraussetzung, um das Nutzen-Risiko-Profil präziser einzuschätzen und Signale zu erkennen. Big Data ebnen den Weg, Arzneimittel noch sicherer zu machen.“

Wichtig für ein Höchstmaß an Arzneimittelsicherheit sei daher, alle vermuteten Nebenwirkungen behördlich zu melden. In Deutschland nehmen diese Meldungen das BfArM sowie das PEI als Aufsicht für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel entgegen. „Erfahrungsgemäß werden nicht alle Verdachtsfälle auf Nebenwirkungen gemeldet, weil Betroffene oder deren Angehörige die beobachteten Reaktionen nach der Einnahme von Medikamenten nur der Grunderkrankung zuschreiben und daher nicht melden“, so das PEI. Dennoch sollte auch in diesen Fällen direkt eine Benachrichtigung an die zuständige Behörde erfolgen.

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