Nebenwirkungen.de

„Arzneimittelkommission nimmt die Patienten nicht ernst“ Tobias Lau, 19.08.2019 15:21 Uhr

Berlin - Der Betreiber des Portals Nebenwirkungen.de hat öffentlich zur heftigen Kritik der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) an seinem Geschäftsmodell Stellung bezogen. Das Start-up Medikura wirft der AkdÄ vor, sich einer konstruktiven Zusammenarbeit verschlossen zu haben und Angebote zur Verbesserung des Meldesystems zu ignorieren. Man habe den Eindruck, die AkdÄ nehme die Patienten nicht ernst. Stattdessen verbreite sie „haltlose und irreführende Behauptungen“. So sei es tatsächlich gesetzlich verpflichtend für Arzneimittelhersteller, die Meldungen von Nebenwirkungen.de anzunehmen.

„Um zu verhindern, dass falsche Informationen verbreitet werden und einige der veröffentlichten Behauptungen richtig zu stellen“, wollte sich Medikura mit einer umfassenden Stellungnahme an die Öffentlichkeit wenden. Herausgekommen ist dabei eine fünfseitige Abrechnung mit der AkdÄ. Punkt für Punkt widmet sich das Münchner Unternehmen dabei den Vorwürfen, die die AkdÄ gegen es ausgebreitet hat.

Vergangene Woche hatte die AkdÄ das Start-up als Ganzes zur Disposition gestellt: Es gebe bereits ein „gesetzlich etabliertes und wirksames“ Meldesystem für Unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW). Es sei deshalb nicht ersichtlich, welches Nutzen Medikura beisteuere. Die AkdÄ lehne es im Übrigen ab, dass ein privatwirtschaftlich geführtes Unternehmen wie Medikura diese Aufgabe übernehmen will. Es sei nicht klar, ob und welche zusätzlichen Kosten dadurch entstehen und ob alle Sicherheitsstandards eingehalten werden.

„Das bestehende Meldesystem mag zwar gesetzlich etabliert sein, jedoch sprechen viele Gründe dagegen, dieses als ‚wirksam‘ zu bezeichnen“, wendet Medikura nun ein. Denn das deutsche Meldesystem weise ein deutliches Underreporting auf: Seit Jahrzehnten die Meldequote konstant unter 1 Prozent aller tatsächlichen Nebenwirkungen, selbst bei schwerwiegenden seien es nur 5 Prozent. Das führe zu unnötigen Gesundheitsausgaben in Höhe von 6 Milliarden Euro im Jahr.

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