Hitzewelle-Risiko

Nebenwirkungen durch hohe Temperaturen

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Berlin -

Die heißen Temperaturen haben Einfluss auf den gesamten Körper: Dadurch kann es zu Veränderungen von Kreislauffunktionen oder dem Abbau von Medikamenten kommen. Häufig kann dies zu unerwünschten Nebenwirkungen führen. Worauf muss während der heißen Tage geachtet werden? Und wann ist eine Anpassung der Medikamentendosis erforderlich?

Die Hitze führt nicht nur zu körperlichen Symptomen wie vermehrtem Schwitzen, Schwindel oder Kopfschmerzen. Sie beeinflusst ebenfalls die Wirkung verschiedener Medikamente. Manche Wirkstoffe beeinflussen beispielsweise die Temperaturregelung des Körpers oder die Nierenfunktion. In Kombination mit hohen Temperaturen kann der Organismus durcheinander geraten und Nebenwirkungen sind möglich. Als besonders hitzegefährdet gelten laut der Weltgesundheitsorganisation neben Kindern und Senioren auch bestimmte Patientengruppen: Dazu zählen Menschen mit chronischen oder neurologischen Erkrankungen wie Diabetes, Asthma, COPD, Multiple Sklerose oder Alzheimer.

Durch die Wärme erweitern sich beispielsweise die Blutgefäße und der Blutdruck sinkt. Aufgrund von vermehrtem Schwitzen kann sich ebenfalls die Blutmenge, die das Herz verarbeitet, erhöhen. In Kombination mit einer zu geringen Trinkmenge kann sich so die Nierenfunktion oder die Zusammensetzung des Blutes verändern. Der Abbau von verschiedenen Wirkstoffen kann beeinflusst werden: Es kommt zu erhöhten Konzentrationen im Blut, die gefährliche Nebenwirkungen nach sich ziehen können, andere Wirkstoffe sind möglicherweise weniger wirksam.

Ein wichtiges Beispiel für solche Veränderungen sind Betablocker: Sie verlangsamen den Puls und senken gleichzeitig den Blutdruck, bei hohen Temperaturen kann es daher zu Kreislaufproblemen kommen, da durch die erweiterten Gefäße der Blutdruck ohnehin niedriger ist. Gleiches gilt für andere Blutdrucksenker und Herzmedikamente wie ACE-Hemmer, Herzglykoside oder Sartane. Eine weitere zu betrachtende Wirkstoffgruppe sind Diuretika: Die Wirkung kann durch die eingeschränkte Flüssigkeitszufuhr verstärkt werden. Es kommt durch die erhöhte Harnausscheidung vermehrt zu Flüssigkeitsmangel und damit verbundener Austrocknung.

Auch Abführmittel können bei großer Hitze die Gefahr eines Flüssigkeitsmangels begünstigen: Es kommt zu einem Elektrolytmangel, welcher mit gefährlichen Herzrhythmusstörungen einhergehen kann. Antidepressiva und Neuroleptika sind ebenfalls betroffen: Viele Wirkstoffe erhöhen die Körpertemperatur, dadurch kann es an heißen Tagen leichter zu einer Überhitzung des Körpers kommen.

Kritisch ist auch die Einnahme von Benzodiazepinen, Lithium und den sogenannten „Z-Substanzen“: Die Konzentrationen von Zopiclon und Zolpidem können durch einen verschobenen Flüssigkeitshaushalt erhöht werden. Schnell kommt es zu toxischen Reaktionen und der Entwicklung von Nebenwirkungen. Eine besondere Gruppe stellen Wirkstoffpflaster dar, die auf die Haut aufgeklebt werden: Die enthaltenen Wirkstoffe werden direkt über die Haut resorbiert, durch vermehrtes Schwitzen kann die Aufnahme jedoch verändert sein. Häufig reduziert sich die Wirkung und Betroffene verspüren keine oder nur eine unzureichende Wirkung ihrer Medikamente.

Doch ist es sinnvoll, die Dosierung von Medikamenten während der heißen Tage anzupassen? Grundsätzlich sollte eine Änderung der Dosierung immer mit dem behandelnden Arzt abgesprochen und nie allein durchgeführt werden. Hält die Hitzeperiode länger an, kann in Rücksprache mit dem Arzt eine Anpassung durchaus sinnvoll sein, um schwerwiegende Nebenwirkungen zu vermeiden. Dauern die heißen Temperaturen jedoch nur ein paar Tage an, bleibt die Dosierung meist wie sie ist – jedoch müssen entsprechende Vitalfunktionen wie der Blutdruck oder Puls währenddessen regelmäßig überprüft werden: Bei systolischen Blutdruckwerten unter 110 mmHg, kann es zu Schlappheit und Schwindel kommen. Der Arzt kann die Nierenfunktion überprüfen und gegebenenfalls erforderliche Anpassungen der Dosierung vornehmen.

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