Pharmalobby

BAH: Weiser geht, Kortland gibt ab

, Uhr
Berlin -

Beim Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH) gibt es einen überraschenden Wechsel: Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Weiser gibt seinen Posten ab, für ihn übernimmt interimsmäßig Dr. Hubertus Cranz, der bis vor einem Jahr den EU-Dachverband AESGP geleitet hatte. BAH-Vize Dr. Hermann Kortland gibt die Ressorts Politik und Öffentlichkeitsarbeit ab und fokussiert sich auf die Themen Securpharm und Recht. Nur Dr. Elmar Kroth, Geschäftsführer Wissenschaft, bleibt verschont.

Mit der Zielsetzung, die Schlagkraft des Verbandes national und international weiter zu erhöhen, habe der Vorstand eine umfassende Neuausrichtung seiner Geschäftsführung beschlossen, teilt der BAH mit. Diese Formulierung deutet auf Meinungsverschiedenheiten im Verband hin. Beim BAH war für Details niemand zu erreichen, dem Vernehmen nach hatte es am Freitag eine Sondersitzung gegeben.

„Es ist uns gelungen, mit Dr. Hubertus Cranz einen sehr versierten und exzellent vernetzten Verbandsführer an Bord zu holen. Dies versetzt den Vorstand in die Lage, die notwendigen strukturellen und personellen Weichenstellungen für eine erfolgreiche Zukunft des BAH in die Wege zu leiten. Ich möchte an dieser Stelle auch Dr. Martin Weiser danken, der die Entwicklung des Verbandes in den vergangenen acht Jahren maßgeblich vorangetrieben hat“, so der Vorstandsvorsitzende Jörg Wieczorek.

Weiser war ab 2011 Hauptgeschäftsführer des BAH; davor war er Cheflobbyist für Boehringer Ingelheim. Er gilt als exzellenter Netzwerker und Kenner der Branche. Verbandserfahrung sammelte er in den Gremien des BAH und des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) sowie in der Fachgruppe der Apotheker in Wissenschaft, Industrie und Verwaltung (Fachgruppe WIV-Apotheker), als deren Vorsitzender er mehr als sieben Jahre lang auch Mitglied des ABDA-Gesamtvorstandes war. In Regensburg hatte er Pharmazie studiert und bei Professor Dr. Ernst Mutschler in Frankfurt promoviert. Bei Hoechst stieg er in der Arzneimittelzulassung ein. Seine Frau arbeitet als Apothekerin in einer öffentlichen Apotheke.

Cranz ist ebenfalls Apotheker; 30 Jahre lang hatte er als Hauptgeschäftsführer den europäischen OTC-Dachverband AESGP geführt. 1988 kam er vom Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) in Frankfurt nach Paris, dem damaligen Sitz der AESGP. Mit dem Lobbyverband zog er nach Brüssel, auf 500 Meter Nähe an die EU-Kommission.Der 61-Jährige hatte ab 1977 Pharmazie in Tübingen studiert und in dieser Zeit Praxiserfahrung in der Offizin gesammelt. Prägend waren jedoch erste Berufserfahrungen in der Pharmaindustrie bei Ciba und Bayer. Nachdem er seinen Lebenslauf in Düsseldorf durch Promotion und Wirtschaftsstudium abgerundet hatte, zog es ihn jedoch nach ans Kieler Institut für Gesundheits-System-Forschung (IGSF). In einem vierköpfigen Team um Institutsgründer und CDU-Politiker Professor Dr. Fritz Beske sammelt er dort Erfahrungen in Gesundheitspolitik und -ökonomie. Er machte sich einen Namen in der Branche, sodass Ende der 80er-Jahre der BPI auf ihn aufmerksam wurde.

Erst im vergangenen Jahr hatte es beim BPI einen Wechsel gegeben. Dr. Kai Joachimsen trat die Nachfolge von Henning Fahrenkamp als Hauptgeschäftsführer an. Der langjährige Vize Dr. Norbert Gerbsch, der eigentlich für eine Doppelspitze vorgesehen war, schied aus.

Der BAH ist mit 420 Firmen der mitgliederstärkste Pharmaverband und vertritt längst nicht mehr nur die Interessen der OTC-Industrie. Wurde 1989 mit dem BPI noch ein Nichtangriffspakt geschlossen, weitete der BAH nach der Streichung von OTC-Medikamenten aus der Erstattung 2003 seine Aktivitäten auch auf den Bereich der rezeptpflichtigen Arzneimittel aus, mit Ausnahme der patentgeschützten Präparate. Insgesamt arbeiten 45 Mitarbeiter für den Verband.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Mehr aus Ressort
Bessere Rahmenbedingungen für Praxen
Gesundheitsministerin unterstützt Ärzte-Protest
Kammer will Steuererklärung sehen
Berlin: Kammerbeitrag nach Einkommen

APOTHEKE ADHOC Debatte