Pro Generika: Brutale Rabatte sind Realität

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Berlin -

Eine Tablette Buprenorphin für einen halben Cent? Was interne Unterlagen der AOK zu den Rabatten der Hersteller belegen, ist laut Pro Generika leider Alltag. Der Industrieverband fordert daher die künftige Regierung auf, endlich die Preisschraube zu lockern und die Produktion in Europa zu stärken.

„Die Zahl, die APOTHEKE ADHOC meldet, ist brutal. Aber sie ist Realität“, kommentiert Bork Bretthauer, Geschäftsführer von Pro Generika, einen ensprechenden Bericht über die streng vertraulichen Unterlagen der AOK über die Gebote eines Herstellers. „Weil es in den Ausschreibungen nur darum geht, der billigste zu sein, ist ein ruinöser Wettbewerb entstanden. Davon profitieren zwar die Kassen, denn sie sparen Geld. Wie stabil und wie nachhaltig aber kann eine Arzneimittelversorgung sein, in der Hersteller ihre Produkte quasi verschenken müssen?“

Die Panne bei der AOK, über die APOTHEKE ADHOC berichtet hatte, müsse ein Weckruf sein für die Politik: „Wenn sie für die Patientinnen und Patienten eine stabile Versorgung will und es ihr wichtig ist, dass Arzneimittelproduktion auch in Europa stattfindet, dass hohe Umweltstandards gelten und Lieferketten wieder robuster werden – dann muss sie jetzt endlich handeln. Und ein System ändern, dessen Logik zwangsläufig dazu führt, dass sich Unternehmen permanent selbst unterbieten. Die Folgen davon zeigen sich längst. Und wer sie ausbadet, auch: Es sind die Patientinnen und Patienten.“

Erstmals hatte die Kasse aus Versehen offengelegt, wie hoch der Betrag ist, den sie den Herstellern für exklusive Zuschläge abringt: Wie aus den hoch vertraulichen Unterlagen hervorgeht, hat der indische Hersteller Glenmark demnach bei der jüngsten Ausschreibung Rabatte von mehr als 99 Prozent auf den Listenpreis geboten.

Schon seit längerem hat es immer wieder Warnsignale gegeben, doch so richtig in Schwung kam die politische Debatte trotz mehrerer Initiativen der Herstellerverbände nicht. Seit der Corona-Krise mehren sich Stimmen, die Arzneimittelproduktion wieder zurück nach Europa zu holen. Allzu groß ist die Abhängigkeit von Ländern wie China, wo derzeit zu einem Bruchteil der Kosten produziert wird. Im vergangenen Frühjahr stellte man sich im Bundesgesundheitsministerium (BMG) sogar auf den Worst Case ein: Woher kommen Medikamente für deutsche Patient:innen, wenn Länder wie China oder Indien ihre Grenzen dicht machen?

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