Neue Hilfstaxe – Was nun?

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Berlin -

Seit Donnerstag vergangener Woche ist der Schiedsspruch zur Hilfstaxe bekannt. Erwartungsgemäß wurden die Rabatte zu Gunsten der Krankenkassen deutlich erhöht. Aber es gab auch einige Ergebnisse, die weniger erwartbar waren und die erneut ein weitverbreitetes Problem offenbarten: Es verhandeln und entscheiden die falschen Leute, meint Apotheker Dr. Franz Stadler in einem Gastkommentar.

Die neue Hilfstaxe schreibt die alten Probleme, wie die Verwurfsproblematik oder den zu niedrigen Arbeitspreis, fort und schafft neue. So oder so ähnlich könnte man die Ergebnisse zusammenfassen. Aus der positiven Mischkalkulation vergangener Tage wurde eine negative und in der Tat steht die ambulante Zytostatikaversorgung vor einem gewaltigen Umbruch. Aber der Reihe nach: Was ist neu?

Die Rabatte wurden drastisch erhöht und für neue Wirkstoffuntergruppen, zum Teil sogar für einzelne Wirkstoffe festgesetzt. Dabei wurde die alte Systematik von Rabatten auf einen virtuellen Lauertaxenpreis fortgeschrieben und dass, obwohl es inzwischen kaum mehr erklärt werden kann, warum es diese Berechnungsgrundlage überhaupt noch gibt. Der in der Lauertaxe genannte Preisbasis, der 100-Prozent-Preis, den niemand mehr zahlt und auf den bis zu 83,7 Prozent Rabatt gegeben werden soll, existiert nur noch als Berechnungsgrundlage für einen überzogenen Herstellerrabatt. Man hätte auch die Systematik ändern und wieder mit Aufschlägen arbeiten können…

Für patentgeschützte Originalia wurde ein allgemeiner Rabatt von 1,6 Prozent eingeführt. Damit hat es der GKV-Spitzenverband geschafft, auf einem Gebiet Rabatte zu erzielen, wo er sonst bei den pharmazeutischen Unternehmern nur auf Granit beißt, und auf diese Weise den schwarzen Peter den herstellenden Apotheken zuzuschieben. Gerade sehr teure Zubereitungen können deshalb nicht mehr kostendeckend hergestellt werden. Selbst gewährte Skonti, die nur bei unverzüglicher Zahlung (also Vorfinanzierung) erzielt werden können, reichen als Gegenfinanzierung oft nicht aus und dürften aus kaufmännischer Sicht sowieso nicht von den Krankenkassen vereinnahmt werden.

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