Immunkarte: Antikörpernachweis aus der Apotheke

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Berlin -

Der digitale Impfpass soll kommen, aber wohl erst in Monaten. Und was von solchen Ankündigungen der Bundesregierung zu halten ist, hat sich bei Impfungen und Schnelltests zur Genüge gezeigt. Die Apotheken können es schneller, sagt Tamim Al-Marie. Der junge Apotheker hat sein eigenes Start-up gegründet und will eine sogenannte „Immunkarte Covid-19“ etablieren. Endverbraucher können damit belegen, dass sie Antikörper haben. Den Nachweis erbringen sie in der Offizin – und die wird dafür sogar vergütet, ohne selbst etwas zahlen zu müssen.

Dass Al-Marie große Pläne hat, zeichnete sich schon vor Jahren ab. Schon 2018 legte er – kurz vor dem Staatsexamen – ein Jahr Pause vom Studium ein, um sich umzuschauen, welchen Zukunftsthemen sich die Branche stellen muss und vor allem: Wer mit welchen innovativen Ideen Lösungen aufzeigt. So landete er beim Leipziger Start-up-Inkubator 2b Ahead Ventures. Zwei Staatsexamen und mehrere Praktika später landete er wieder dort – und zählt nun selbst zu jenen innovativen Gründern, die der Inkubator fördert. „Es gehört schon eine Menge Selbstbewusstsein dazu, mit Mitte 20 ein Unternehmen zu gründen, aber das dann noch allein zu tun, wäre auch mir zu viel“, sagt er.

Zusammen mit Inkubator-Mitgründer Stefan Jenzowsky hat Al-Marie einen erkannten Bedarf zu einem Geschäftsmodell entwickelt: 2b Ahead Ventures ist nicht nur Co-Gründer und Gesellschafter, sondern hat auch das Startkapital zur Verfügung gestellt. „Damit kann man nicht die ganze Welt umkrempeln, aber auf jeden Fall gut ein Start-up gründen“, erklärt er. Im Februar gegründet, im März am Markt: Al-Marie will keine Zeit verlieren. „Wir sind an dem Tag live gegangen, an dem wir unsere Steuernummer erhalten haben. Bei der Geschwindigkeit haben wir wirklich alles rausgeholt.“ Denn Geschwindigkeit ist bei seinem Projekt zentral: Mit der Immunkarte Covid-19 – so auch der Name des Unternehmens – will Al-Marie eine Möglichkeit eröffnen, sich privat und im öffentlichen Raum unkompliziert als gegen Covid-19 immunisiert auszuweisen. „Die Frage ist: Wie wertvoll ist es, diese Information schon jetzt zur Hand zu haben und nicht erst im Sommer?“

Tatsächlich ist das Modell bestechend einfach. Der Kunde bucht auf der Seite eine Immunkarte und hat dann zwei Optionen: Er kann seine Immunität mittels Impfpass oder Antikörpertest nachweisen. Beides geschieht in einer Apotheke, die sich vorher bei Immunkarte registriert und dann ein Starterpaket erhalten hat. Beides kostet sie nichts. „Das Starterkit enthält alles von den Testkits über Werbematerialien bis zu den Pflastern“, erklärt Al-Marie.

Mit dem QR-Code, den der Kunde bei der Anmeldung enthält, kommt er dann in die Apotheke und zeigt dort entweder seinen Impfpass vor oder macht einen Antikörpertest. Das kann sowohl unter Aufsicht des Apothekers geschehen als auch durch den Apotheker selbst.

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