Pharmaziestudent

Start-up statt Staatsexamen APOTHEKE ADHOC, 31.05.2018 10:12 Uhr

Berlin - Staatsexamen, PJ, Apotheke: Für die meisten Pharmaziestudenten führt der Weg schnurgerade vom Hörsaal in die Offizin. Nicht zuletzt durch die hohe Arbeitsbelastung bekommen viele dabei einen Tunnelblick und beschäftigen sich zu wenig mit den großen Zukunftsfragen der Branche, findet Tamim Al-Marie. Der 23-Jährige ist nur noch ein Semester vom Staatsexamen entfernt – und setzt trotzdem ein Jahr aus, um sich abseits der ausgetrampelten Pfade zu orientieren.

Als Pharmaziestudent ist man eigentlich meist mehr als ausgelastet. Das Arbeitspensum ist hoch, es muss enorm viel auswendig gelernt werden. Für den Blick über den Tellerrand bleibt da oft nicht viel Zeit und Energie. „Das ist cool, aber ich hab’ dafür gerade keine Zeit“, habe er ständig von seinen Kommilitonen gehört, erzählt Al-Marie. So fasste er irgendwann die Entscheidung, kurz vor Studienabschluss doch noch einmal ein Jahr auszusetzen. Denn er will sich noch vor Arbeitsbeginn in der Branche umsehen und sich ein Bild machen, was die virulenten Zukunftsfragen sind.

Den Impuls dafür erhielt er jedoch schon früh im Studium. „Im ersten Semester in Halle an der Saale habe ich mich im Analytik-Praktikum gut mit meinem Professor verstanden und so kam es, dass er mich mit zur Welt-Alzheimer-Konferenz nach Nizza genommen hat”, erinnert er sich. „Dort habe ich so viele geniale Leute gesehen, die an so vielen genialen neuen Ansätzen gearbeitet haben. Denen muss man doch helfen, das alles irgendwie auf den Markt zu bringen, dachte ich mir – und zwar so schnell wie möglich.“ Damit war sein Tatendrang geweckt.

„Eigentlich ist Digitalisierung ein ziemlich doofes Buzzword. Aber es ist nun einmal der Begriff für das, was gerade überall passiert. Und da ist es gar keine Frage, ob das auch uns betreffen wird.” An der Uni jedoch hatte er allzu oft das Gefühl, damit auf taube Ohren zu stoßen – und zwar bei den Kommilitonen, nicht den Professoren. „Wenn ich andere Studenten auf das Thema angesprochen habe, hieß es oft: ‚Lass das mal lieber, das kommt sowieso nicht in der Vorlesung dran.’“

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