Modellprojekt in Nordrhein

Grippe-Impfung: Apotheken holen Impfmuffel ab

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Berlin -

Der Kammerbezirk Nordrhein ist der Musterschüler unter den Grippe-Impfprojekten. Nirgendwo sonst nehmen so viele Apotheken teil. Entsprechend positiv ist das Zwischenfazit des Apothekerverbands (AVNR) und der AOK Rheinland/Hamburg, die das Projekt gemeinsam vorantreiben. Denn auch die Geimpften waren laut einer Umfrage sehr zufrieden.

Wie gut das Angebot von der Bevölkerung angenommen wird, sollte das Unternehmen „May & Bauer – Konzepte im Gesundheitsmarkt“ für die Projektpartner herausfinden. Negatives Feedback gab es demnach bei der Befragung so gut wie gar nicht. 99 Prozent würden sich sicher oder wahrscheinlich erneut in der Apotheke gegen Grippe impfen lassen, 98 Prozent auch gegen andere Erkrankungen.

Vor allem das Vertrauen in die Kompetenz der Apotheken, die gute Erreichbarkeit und das Impfen ohne lange Wartezeiten seien ausschlaggebende Kriterien, sich in der Apotheke gegen Grippe impfen zu lassen, so der Verband und Kasse in einer gemeinsamen Mitteilung. Ein weiteres Ergebnis der Befragung: Viele Befragte hätten sich sonst gar nicht impfen lassen. Gut die Hälfte der rund 1400 Geimpften gab das an.

„Versorgungspolitisch von großer Bedeutung“ findet Politikwissenschaftlerin Cosima Bauer von „May & Bauer“ M.A die Erkenntnis, dass sich fast alle Befragten auch gegen andere Erkrankungen in der Apotheke impfen lassen würden. „Denn hier zeigt sich, dass ein niederschwelliges Impfangebot die Prävention vieler anderer Erkrankungen ebenfalls erheblich verbessern könnte. Die von der Ampel-Koalition angekündigte Überführung der Grippeschutzimpfung in die Regelversorgung kann hier nur der erste Schritt sein. Auch zum Beispiel die Impfungen gegen FSME und Pneumokokken lassen sich nach unseren Forschungserkenntnissen sehr erfolgversprechend in den Apotheken umsetzen“, so Bauer.

Niedrigschwelliges Angebot wird genutzt

AVNR-Vorsitzender Thomas Preis wünscht sich, dass die Regierungspläne jetzt schnell umgesetzt werden. Dann könnten schon im nächsten Herbst alle Bürger:innen davon profitieren – egal wo sie versichert sind. In den letzten beiden Impfwintern habe es zahlreiche Impfanfragen von Versicherten gegeben, deren Kassen nicht an dem Modellprojekt beteiligt waren. Auch Privatversicherte zeigten großes Interesse.

Günter Wältermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland/Hamburg konstatiert, dass durch die Aktion deutlich mehr Menschen eine Impfung gegen Grippe in Anspruch genommen haben. „Von dem EU-Ziel, bei älteren Menschen eine Impfquote von mindestens 75 Prozent zu erreichen, sind wir jedoch immer noch weit entfernt.“ Die Impfung in Apotheken sei ein wichtiger ergänzender Baustein für ein niedrigschwelliges Impfangebot.

Preis und Wältermann ergänzen, dass für sie die Arztpraxen weiter der Hauptanlaufpunkt für Impfinteressierte sind. Das hochwertige Impfangebot in den Apotheken könne aber auch zur Entlastung in den Arztpraxen beitragen, erklärt Preis.

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