Apotheken-Apps

eRezept: Machtkampf der Rechenzentren Lothar Klein, 10.08.2018 10:12 Uhr

Berlin - In der zweiten Augusthälfte startet in Sachsen die vierte digitale Rezeptsammelstelle in Deutschland – ein CallmyApo-Terminal von Noventi. Der Sächsische Apothekerverband (SAV) hat zur Eröffnung die Politikprominenz des Landes geladen: Der Bürgermeister kommt, Gesundheitsministerin Barbara Klepsch (CDU) auch und womöglich gibt sich Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) die Ehre. Schließlich geht es um die digitale Zukunft der Apotheker. Dabei könnten zu diesem Anlass eigentlich Eröffnungs- und Abschiedsparty für die digitale Rezeptsammelstelle zusammenfallen. Denn knapp zwei Jahre nach ihrer Präsentation auf der Expopharm in München hat die digitale Box ihre Zukunft schon hinter sich.

Die digitale Rezeptsammelstelle sei höchstens noch eine Übergangstechnik für ländliche Regionen, heißt es denn auch bei den Entwicklern. Dass davon noch viele Boxen in der Republik installiert werden, damit rechnet keiner mehr. Nach zwei Jahren wird Mitte August erst die vierte digitale Rezeptsammelstelle in Betrieb gehen. Ein Run auf die neue Technik sieht anders aus. Nach Angaben von Noventi hält sich das Interesse an der Box in Grenzen.

Es gibt maximal 40 Anfragen von Apotheken. Aber erst eine Apotheke, die Külsheimer Stadtapoptheke in Baden-Württemberg, hat den CallmyApo-Terminal auf eigene Rechnung bestellt und installieren lassen. „Ich habe mit der VSA eine Probezeit von drei bis sechs Monaten vereinbart, dann sehen wir weiter“, so Inhaberin Angela Haegele-Weber. Wie viel sie für die digitale Rezeptsammelstellen bezahlt, will die Apothekerin nicht verraten. Exakte Zahlen erfährt man nicht: Aber einen mittleren bis hohen vierstelligen Euro-Betrag kostet der digitale Briefkasten. Diese Investition schreckt viele Apotheken ab. Auch deswegen dürfte das Verbreitungspotential eng begrenzt sein.

Denn die CallmyApo-App aus dem Hause Noventi gibt es seit Kurzem in Bayern und Baden-Württemberg gratis. Auch damit kann man Rezepte an seine Stammapotheke schicken und sich mit dem Botendienst nach Hause liefern lassen. Das geht schneller, keiner muss mehr zum Rezeptsammelstelle laufen – egal ob digital oder analog. Bequemlichkeit siegt. Geht, wie von der ABDA jetzt angekündigt, das elektronische Rezept Mitte 2020 tatsächlich bundesweit an den Start, ist die digitale Rezeptsammelstelle endgültig „old-fashioned“. Dann kann der Arzt das eRezept gleich an die Wunsch-Apotheke des Patienten übermitteln.

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