„Die Überwachungslücke wird endlich geschlossen“

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Stephan Pilsinger (CSU) im Video-Interview mit WIRKSTOFF.A

Berlin - Dem CSU-Abgeordneten Stephan Pilsinger ist ein Coup gelungen: Kurz vor Verabschiedung des Apothekenstärkungsgesetzes (VOASG) im Bundestag hat er über einen Änderungsantrag bewirkt, dass sich auch ausländische Versandapotheken künftig an die Temperaturvorschriften halten müssen. Mit WIRKSTOFF.A sprach er darüber, wie er vorgegangen ist und was er jetzt von den Krankenkassen erwartet.

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Die CSU hatte sich immer am lautesten für ein Rx-Versandverbot stark gemacht. Das sei aber aus europarechtlichen Gründen nicht möglich gewesen, „und auch weil es mit unseren Koalitionspartnern der CDU und SPD so nicht möglich war“, so Pilsinger. Allerdings habe seine Partei etwas gegen die Missstände unternehmen wollen, bei den Preisen und der Qualität der Belieferung der Endkunden. „Und deshalb haben wir uns dafür eingesetzt, dass es künftig die gleiche Qualität und dieselben Liefervoraussetzungen geben soll, sowohl bei den ausländischen Versandhändlern wie auch bei den Apothekern.“

Pilsinger hatte beim Wissenschaftlichen Dienst des Bundestags ein Gutachten in Auftrag gegeben und die Ergebnisse mit seinen Fraktionskollegen geteilt. Dies habe unter anderem „eminente Überwachungslücken bei den ausländischen Versandhändlern“ zutage gefördert. Ein weiteres Gutachten habe ergeben, dass es europarechtlich möglich ist, strengere Kontrollen bei den EU-Versendern durchzuführen. Diese Ergebnisse hatte Pilsinger mit der AG Gesundheit geteilt. Auch innerhalb der Koalition habe sich der Gedanke durchgesetzt, dass Regeln in der Arzneimittelversorgung für alle Teilnehmer gelten müssten.

Als angestellter Hausarzt in einer Praxis kennt Pilsinger das Problem auch aus seinem zweiten Berufsalltag. Immer wieder berichteten Patienten, dass ihre bei einer Versandapotheke bestellten Medikamente bei Hitze oder Frost einfach vor die Tür gestellt worden seien. „Deswegen hatte ich oft ein sehr ungutes Gefühl, was mögliche Schäden an den Medikamenten betrifft, die die Patienten bekommen.“ Ihm sie schon lange klar gewesen, dass hier etwas getan werden muss. „Dass man diese Überwachungslücke jetzt endlich schließt, finde ich ein sehr gutes Zeichen“, so Pilsinger.

Er finde es besser, wenn der Patient in der Apotheke vor Ort die Möglichkeit der ausführlichen Beratung hat. „Die Apotheke sind da die besten Ansprechpartner und teilweise – etwa was die Wirkung betrifft – besser als wir Ärzte.“ Neben der guten Beratung gehe es aber auch um die sichere Aushändigung der Medikamente. „Diese Sicherheit habe ich bei ausländischen Versandapotheken immer vermisst, deswegen finde ich die Belieferung durch Vor-Ort-Apotheken als den besseren Weg.“

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