Das Siechtum der ABDA-Herzinsuffizienzstudie

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Berlin -

Seit nunmehr acht Jahren läuft die Herzinsuffizienzstudie (PHARM-CHF) der ABDA. Es sollte ein wissenschaftliches Vorzeigeprojekt werden. Inzwischen wurde die groß angelegte Studie geschrumpft. Die ABDA verweigert nunmehr jede Aussage, wann Ergebnisse der vom Abteilungsleiter Pharmazie, Professor Dr. Martin Schulz, geleiteten Studie vorliegen werden. Die Studie kostet Millionen Euro ABDA-Gelder. Aber bislang ist die PHARM-CHF-Studie vor allem zu einem gut: Im ABDA-Haushalt dient sie als Begründung für die Aufstockung des Personals.

Die sogenannte Pharm-CHF-Studie (Pharmacy-based interdisciplinary Program for Patients with Chronic Heart Failure) läuft seit Oktober 2012. Untersucht werden soll, ob bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz durch eine intensivere Betreuung über einen Zeitraum von 12 bis 30 Monaten die Compliance verbessert und Mortalität und Morbidität gesenkt werden können. Im Saarland sowie in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Bayern sollten sich jeweils 300 Apotheken und ebenso viele Arztpraxen beteiligen. Für die Apotheken war eine Aufwandsentschädigung von 100 Euro zum Start und 50 Euro je Quartal und Patient vorgesehen. Die Ärzte sollten etwa 300 Euro für die Gesamtstudiendauer erhalten.

„Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir Ihnen – wie bei randomisierten Studien üblich – keine Vorabinformationen zu den Ergebnissen zukommen lassen können. Gleichwohl möchten wir Ihnen ein aktuelles Editorial im renommierten European Journal of Heart Failure zur Kenntnis geben, das die PHARM-CHF-Studie ausführlich bespricht“, antwortet ein ABDA-Sprecher auf Anfrage. Auch Mitgliedsorganisationen erteilt die ABDA keine Auskunft. Die Zusammenstellung eines Zwischenberichts wurde ebenfalls ablehnt. Daher gibt es jetzt Überlegungen, die ABDA-Führung beim kommenden Deutschen Apothekertag (DAT) Anfang Oktober in München zur Rede zu stellen.

Drei Jahre nach ihrem Start im Jahr 2012 wurde die Herzinsuffizienzstudie jedenfalls auf deutlich geschrumpftes Niveau zurecht gestutzt. Statt der ursprünglich anvisierten Gesamtteilnehmerzahl von 2060 Patienten, hieß das Ziel nur noch 250+. Ob diese Teilnehmerzahl inzwischen erreicht wurde, ist nicht bekannt. Fachleute bezweifeln angesichts dieser Zahlen jedoch bereits den wissenschaftlich aussagekräftigen Gehalt der Untersuchung.

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