Lobbyarbeit

Apotheker will ABDA zwangsreformieren

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Berlin -

In den vergangenen Monaten sah sich die ABDA nicht nur wegen ihrer defensiven Kommunikationsstrategie der Kritik aus den Mitgliedsorganisation ausgesetzt. Nur mühsam konnte Präsident Friedemann Schmidt bei der letzten Mitgliederversammlung im Juni die Wogen glätten, unter anderem mit einer Nullrunde bei den Beiträgen. Zum Deutschen Apothekertag (DAT) liegt jetzt ein Antrag vor, der eine grundlegende Reform der ABDA fordert. In ihrer derzeitigen Verfassung arbeite die Vertretung der Apotheker zu Lasten des Berufsstandes.

„Die Hauptversammlung der deutschen Apothekerinnen und Apotheker spricht sich für die Einrichtung einer mit internen und externen Fachleuten besetzten Reformkommission aus“, heißt es in einem Antrag, der vom Dortmunder Apotheker Michael Mantell gestellt wird. Die Reformkommission solle die Stärken und Schwächen der ABDA im Zusammenspiel mit ihren Mitgliedsorganisationen umfassend analysieren. „Sie soll zugleich konkrete Vorschläge für eine strukturelle und organisatorische Fortentwicklung erarbeiten. Diese Vorschläge sollen spätestens auf dem Deutschen Apothekertag 2019 vorgestellt, diskutiert und einer Beschlussfassung zugeführt werden“, heißt es darin weiter.

Die ABDA sei in ihrer Struktur und Arbeitsweise mehr darauf angelegt, „Veränderungen in der Arzneimittelversorgung zu Lasten des Berufsstandes und der Patienten/Kunden zu verhindern, denn Veränderungsprozesse aktiv einzuleiten beziehungsweise mitzugestalten“, begründet Mantell seinen Antrag. In einem zunehmend dynamischeren sowie von Liberalisierung und Digitalisierung geprägten Umfeld agiere die ABDA wie ein „Tanker mit entsprechend großem Reaktions- und Wendekreis, der mit wendigen Schnellbooten konkurrieren muss“.

Weil die Umsetzung vieler Beschlüsse der ABDA und ihrer Gremien in die Beliebigkeit der Mitgliedsorganisationen gestellt sei, fehle es dem Berufsstand nach außen an Einheitlichkeit, Schlagkraft und Durchsetzungskraft. Nach innen, in Richtung Basis, gelinge es wiederum nicht, mit einer Stimme zu sprechen. „Das hat eine verheerende Wirkung auf andere Beteiligte im Gesundheitswesen und die Basis der Deutschen Apothekerschaft“, kritisiert der Antragsteller.

Zudem führe dies automatisch zu einer zunehmenden Abkoppelung der ABDA und ihrer Mitgliedsorganisationen von der Basis. Die Apotheker gewinnen laut Mantell verstärkt den Eindruck, die ABDA-Gremien befassten sich zwar sehr intensiv und mitunter auch sehr kleinteilig mit einer Reihe von Fragestellungen: „Am Ende aber mündeten die Diskussionen meist in den Beschluss, nicht aktiv zu werden, nicht zu kommunizieren beziehungsweise sehr weit in die Zukunft gerichtete, abstrakte Absichtserklärungen abzugeben.“

Inzwischen lasse sich zudem feststellen, dass diese Abkoppelung auch auf die Mitgliedsorganisationen der ABDA übergreife. Ein Indiz dafür sei die zurückgehende Anzahl von Anträgen an den DAT und der aus Sicht von Mantell zum Teil unbefriedigende und bürokratische Umgang mit den in den Anträgen enthaltenden Ideen und Verbesserungsvorschlägen. Mantell: „Insofern ist dieser Antrag zugleich auch ein Plädoyer für eine lebhaftere, berufspolitische Diskussionskultur im Sinne der gemeinsamen Sache.“

Die Antragsfrist für den kommenden Dat in München endete am Wochenende. Bisher ist daher kein Überblick über die Antragslage möglich: Die Apothekerkammer Nordrhein, die in den letzten Jahren unter anderem mit einem Antragsboykott ihren Unmut über die Arbeit der ABDA zu Protokoll geben hatte, wird dieses Jahr wieder mit Anträgen aufwarten. Diese beschäftigen sich hauptsächlich mit der Situation und Förderung des pharmazeutischen Nachwuchses. Der Apothekerverband Schleswig-Holstein bereitet Anträge zum Thema Digitalisierung vor. Ein wichtiges Thema wird auch der Fall Valsartan sein, dazu wird es vermutlich mehrere Anträge geben.

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