Arzneimittelprobleme

Schmidt: Jetzt muss Politik handeln

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Berlin -

Als Reaktion auf die jüngsten Probleme in der Arzneimittelversorgung hat ABDA-Präsident Friedemann Schmidt die Politik zum Handeln aufgefordert: „Es häufen sich Probleme in der Arzneimittelversorgung. Lieferengpässe über das Einschleusen gefälschter, gestohlener Ware in den Lieferkreislauf bis zum Problem der Verunreinigung eines blutdrucksenkenden Medikamentes. Das Vertrauen der Patientinnen und Patienten in ihre Arzneimittel, in ihre Behandlung sinkt. Das kann so nicht hingenommen werden.“

Im Moment seien es die Apotheker vor Ort, „die die Schäden beseitigen“. All die Probleme, die von anderen verursacht würden, „werden mit viel Engagement und großem Aufwand und hoher Motivation jeden Tag auszubügeln versucht. So kann es nicht bleiben," so Schmidt weiter. Die Fälle Valsartan und der Verdacht des Schmuggels in Griechenland gestohlener Arzneimittel „machen uns große Sorge“, sagte Schmidt in einem von der ABDA produzierten Video-Interview unmittelbar vor Bekanntwerden der neuen Verunreinigungen beim Blutdrucksenker Irbesartan.

Hunderttausende Patienten seien betroffen. Alles zusammen genommen sorge dafür, dass das Vertrauen der Patienten in ihre Arzneimittel, in ihre Behandlung sinke und gefährdet werde. Das führe zu abnehmender Adhärenz und Therapietreue mit allen Folgen wie unnötiges Leid, so der ABDA-Präsident: „Das kann so nicht hingenommen werden.“ Die Ursachen dafür sieht Schmidt in der in den letzten 125 Jahren erfolgten weltweiten Liberalisierung und Deregulierung: „Das hat zu den bekannten Problemen beigetragen.“ Am unteren Ende des Preisspektrums bei Arzneimitteln, bei Generika gebe es Qualitätsprobleme. Bei den teuren, patentgeschützten Arzneimitteln entstünden durch die hohen Preise starke Anreize für kriminelles Handeln. „Kriminelle Elemente dringen in die gesicherte Arzneimittelversorgung ein.“

„Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem die Politik diese Zustände nicht mehr hinnehmen kann und handeln muss“, so Schmidt. Dazu gebe es zwei Wege: Entweder stelle die Politik das Gleichgewicht der Arzneimittelpreise wieder her, indem sie die Fehlanreize am oberen und unteren Spektrum der Arzneimittelpreise wieder beseitige oder zumindest abmildere. Halte die Politik an der Deregulierung und Liberalisierung fest, müsse sie die Aufsicht über die Arzneimittelversorgung auf allen Ebenen von der Produktion der Wirkstoffe über die Fertigung bis zum Vertrieb „massiv“ verstärken. Dazu müssten die Aufsichtsbehörden erheblich ausgebaut werden.

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