2017

Valsartan: 900.000 betroffene Patienten dpa, 21.07.2018 15:16 Uhr aktualisiert am 22.07.2018 17:02 Uhr

Berlin - Bis zu 900.000 Patienten bundesweit könnten einem Zeitungsbericht zufolge allein im Vorjahr Blutdruckmittel eingenommen haben, die mit einer potenziell krebserregenden Substanz verunreinigt waren. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen hervor, die dem Berliner „Tagesspiegel“ (Samstag) vorlag. Bei den Blutdrucksenkern handelt es sich um Medikamente mit dem Wirkstoff Valsartan. Anfang Juli hatten Aufsichtsbehörden in Europa einen Vertriebsstopp und vorsorglichen Rückruf für viele dieser Präparate angeordnet. Eugen Brysch vom Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz spricht von kriminellen Machenschaften mit Pharmaprodukten und sieht die Politik in der Pflicht.

2017 seien etwa neun Millionen Packungen Valsartan-haltiger Arzneimittel verordnet worden, teilte die Parlamentarische Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, Sabine Weiss, laut „Tagesspiegel“ mit. „Da rund 40 Prozent der Chargen von dem Rückruf betroffen sind, könnten auf Grundlage der oben genannten Verordnungszahlen zirka 900.000 Patientinnen und Patienten betroffen sein.“

Allerdings bestehe nach Einschätzung der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) „kein akutes Gesundheitsrisiko“. Die Grünen im Bundestag kritisierten indes den Umgang der Behörden mit dem Thema: Die Aussage der EMA beruhige wenig, sagte die Pharmaexpertin der Fraktion, Kordula Schulz-Asche, der Zeitung. Schließlich seien die Medikamente bereits seit sechs Jahren verunreinigt, und die Risiken einer langfristigen Einnahme könnten bislang nicht abgeschätzt werden.

Der Bremer Pharmakologe Dr. Gerd Glaeske forderte „ein intensiveres Netz von Kontrollen“. Um Qualitätsmängeln vorzubeugen, müsse der Gesetzgeber von den Generika-Vertreibern verlässliche Produktprüfungen verlangen. Krankenkassen könnten bei ihren Ausschreibungen jederzeit Kontrollnachweise und Zertifikate für Nachahmerprodukte zur Bedingung machen.

  • 1
  • 2

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Markt

Versandapotheken

Zur Rose/Shop-Apotheke: Ritt auf der Rasierklinge»

Packungsdesign

Blaue Deckel, breite Packungen und Selbsterklärungen»

Versandhandel

Shop-Apotheke holt halbe Milliarde»
Politik

GSAV

Biosimilars: 3 Jahre bis Aut-idem»

GSAV

Spahn verzichtet auf Zyto-Zuschuss»

GSAV-Entwurf

Chaos um Importklausel: Erst gestrichen, jetzt neu gefasst»
Internationales

USA

Mundipharma: Gründerfamilie muss vor Gericht»

Apothekenketten

Walgreens und Microsoft gehen gemeinsam auf Datenjagd»

Versorgung in Großbritannien

Brexit: Pharmaverbände befürchten Engpässe»
Pharmazie

Warnhinweis für hormonelle Kontrazeptiva

Pille: Auf Depression folgt Suizid»

Nitrosamin-Verunreinigungen

Losartan/Irbesartan: CEP-Entzug für China»

Grippeimpfstoffe

Vaxigrip Tetra: Sanofi organisiert 79.000 Impfdosen»
Panorama

Prüfungsvorbereitung

Erstis: „Ich frage mich, wann ich das alles lernen soll“»

Medikamenten-Hilfsprojekt

Easy-Apotheke + Kneipe = Obdachlosenhilfe»

Hilfsmittel

Das Inkontinenz-Dilemma»
Apothekenpraxis

Sprechstundenbedarf retaxiert

Grippeimpfstoffe: 5 Euro Strafe pro Dosis»

Lagerbereinigung wegen Securpharm

Großhandel will Retouren verhindern»

Pilotprojekt

Notdienst: Apotheken-Terminal in der Arztpraxis»
PTA Live

PTA-Schule Castop-Rauxel

Klassentreffen aus traurigem Anlass»

LABOR-Download

Checkliste: Fertigarzneimittelkontrolle»

Trier

Schnuppertag für den PTA-Nachwuchs»
Erkältungs-Tipps

Internationale Erkältungstipps

Grappa-Milch und Hot-Toddy: Hausmittel aus fernen Ländern»

Abwehrkräfte

Immunsystem: Der wichtigste Schutzschild»

Nasenschleimhaut

Winter: Stress für die Nase»