„Betriebskosten um 65 Prozent gestiegen“

Apothenkensterben in Sachsen: 30 Prozent in roten Zahlen

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Chemnitz -

Stagnierende Honorare, Medikamente, die nicht lieferbar sind, Konkurrenz durch Online-Anbieter – Sachsens Apotheker haben mit vielen Problemen zu kämpfen. Die Folge: Gut 30 Prozent der Apotheken schreiben nach Zahlen des Landesapothekerverbands Sachsen (LAV) rote Zahlen oder gelten wirtschaftlich als gefährdet. Deswegen werden Investitionen zurückgestellt und haben es Apotheken schwer, einen Nachfolger zu finden. Alternde Bevölkerung und anhaltendes Apothekensterben – weitere Wege sind die Folge.

„Die Zahl der Apotheken geht seit Jahren zurück“, beklagt LAV-Vorstandsmitglied Reinhard Groß. Allein im vergangenen Jahr haben 18 Apotheken aufgegeben, nur fünf kamen neu hinzu. In den vergangenen zehn Jahren sind mehr als 120 Apotheken in Sachsen von der Bildfläche verschwunden, aktuell sind es noch 864 landesweit.

Engpässe bei zahlreichen Medikamenten

Groß selbst betreibt eine Apotheke im Zwickauer Wohngebiet Eckersbach. Ein Grund für die Misere sei das lange nicht angepasste Apothekenhonorar von 8,35 Euro pro Packung. Im selben Zeitraum seien die Betriebskosten jedoch um 65 Prozent gestiegen. Hinzu kommen Engpässe bei zahlreichen Arzneimitteln. „Wir haben immer noch über 500 Medikamente, die nicht oder schlecht lieferbar sind“, erklärt Groß. Das betreffe querbeet die ganze Palette, so etwa auch Blutdruck- und Asthma-Medikamente.

Für die Apotheken bedeute das viel Aufwand, so der Apotheker. Sie müssten Ersatz organisieren, mit Ärzten telefonieren, Dosierungen anpassen. „Das nimmt sehr viel Raum ein.“

Konkurrenz durch Versandapotheken

Zusätzlich wächst die Konkurrenz von Versandapotheken, samt Werbung mit Fernsehmoderator Günther Jauch. Dass er sich dafür hergebe, sei sehr ärgerlich, sagt Groß. Diese Versender betrieben „Rosinenpickerei“. Sie schöpften Umsatz ab, hätten ihren Sitz im Ausland und leisteten anders als stationäre Apotheken keine Notdienste oder persönliche Beratung. Vor allem durch das E-Rezept hätten sie Auftrieb erhalten. Er sehe aber keinen Grund, in Panik zu verfallen. „Im Bereich der Selbstmedikation hat der Versandhandel bereits mehr als 20 Prozent Marktanteil erreicht. Bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln liegt er deutlich niedriger, etwa bei 1,5 Prozent.“

Immerhin hat die Bundesregierung bei den Honoraren Abhilfe versprochen. Laut Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) soll das Fixum auf 9,50 Euro pro Packung steigen, mehr Leistungen im Bereich Impfungen und Prävention sollen kommen. Außerdem ist von Bürokratieabbau die Rede.

Protesttag: Viele Apotheken bleiben geschlossen

Die Honorarerhöhung dürfe nur ein erster Schritt sein, betont Groß. Künftig müsse die Vergütung in einem geregelten Verfahren regelmäßig angepasst werden. Positiv sei auch, dass die Rolle der Apotheken im Gesundheitssystem insgesamt gestärkt werden solle. Kritisch sehe sein Verband aber den Vorstoß, dass Apotheken künftig zeitweise auch von PTA geführt werden können.

So eine „Apotheke ohne Apotheker“ sei eine Verschlechterung der Leistung, konstatiert Groß. Denn dann könne nicht das komplette Spektrum angeboten werden – etwa mit Blick auf die Abgabe von Betäubungsmitteln oder speziellen Rezepturen. „Wir wollen keine Zwei-Klassen-Gesellschaft, sondern dass jede Apotheke die gleichen Leistungen anbietet.“

Sachsens Apotheker kommen an diesem Freitag und Samstag in Chemnitz zum Apothekertag zusammen. Zum Protest am 23. März werden laut Groß viele Apotheken auch in Sachsen geschlossen bleiben.

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