Adexa warnt Spahn vorm E-Rezept

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Berlin - Adexa warnt davor, dass die Einführung des E-Rezepts das System der Vor-Ort-Apotheken schwächen könnte. In einem offenen Brief an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kritisiert sie, dass durch die Beteiligung der Zur-Rose-Tochter eHealth-Tec an der Entwicklung des E-Rezept-Fachdienstes innerhalb der Telematikinfrastruktur (TI) „massive Interessenkonflikte vorprogrammiert“ seien.

Die Adexa blickt „mit großer Sorge auf die aktuellen Entwicklungen im Apothekenbereich“ – das teilte sie Spahn am Donnerstag in einem offenen Brief mit. Aus Sicht der berufspolitischen Interessenvertretung der rund 146.000 Apothekenangestellten in Deutschland zeichnen sich demnach zwei Problemfelder ab – nämlich „ein bestehendes und ein neues“: einerseits die ungleichen Wettbewerbsbedingungen von ausländischen Versendern und inländischen Apotheken, andererseits Verwerfungen durch die Einführung des E-Rezepts.

Mit dem VOASG werde die regulatorische Unwucht zu Ungunsten der Vor-Ort-Apotheken zwar verringert, aber keineswegs behoben – denn Gleichpreisigkeit ist nur für die GKV vorgesehen. „Und in Bezug auf künftige Verbesserungen beim Verbraucherschutz wie den Temperaturkontrollen von Arzneimitteln durch den Versandhandel ist nicht geregelt, wie und von wem dies kontrolliert werden soll.“ Tatsächlich zeigen sich auch die großen Versender bisher entspannt angesichts der neuen Vorschriften: „Die im EAMSP organisierten Versandapotheken haben die dafür notwendigen operativen Maßnahmen bereits seit Jahren umgesetzt und erfüllen die gesetzlichen Anforderungen“, erklärte erst kürzlich DocMorris-CEO Olaf Heinrich, der auch Vorsitzender des europäischen Versandapothekenverbands EAMSP ist. „Ich kann Ihnen versichern, dass wir diesen Anforderungen heute und auch in Zukunft voll und ganz gerecht werden“, gab sich auch Shop-Apotheke-CEO Stefan Feltens entspannt. „Wir gehen davon aus, dass das keinen oder nur einen marginalen Einfluss auf unser operatives Geschäft haben wird.“

Mindestens genauso grundlegend ist jedoch die zweite Sorge der Adexa: „Mit der Einführung des E-Rezeptes droht die sinnvolle Trennung von Verordnung und Rezeptbelieferung aufzuweichen – und wirtschaftliche Interessen gefährden die freie Wahl der Apotheke.“ So werde der Einfluss der ausländischen Versender wird noch weiter gestärkt, die wirtschaftliche Lage von unabhängigen Vor-Ort-Apotheken hingegen geschwächt – „und damit die Versorgung der Patient*innen sowie heimische Arbeits- und Ausbildungsplätze!“ Wenn darüber hinaus bei der Telematik-Struktur des E-Rezeptes eine Tochter des Schweizer DocMorris-Mutterkonzerns Zur Rose Group den zentralen E-Rezept-Dienst mit ausgestaltet, „sind aus unserer Sicht massive Interessenskonflikte vorprogrammiert“, so die Adexa.

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