Low-dose-ASS: Experten warnen vor Selbstmedikation

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Berlin -

Niedrigdosierte Acetylsalicylsäure (ASS) gehört für viele Menschen zur täglichen Medikamentendosis. Einige nehmen sie sogar auf eigene Faust ein, weil der Wirkstoff lange Zeit als „gesund“ galt: Er soll vor Krebserkrankungen und Herzinfarkten schützen können. Doch Expert:innen verweisen zunehmend auch auf die Risiken, welche unter anderem ein erhöhtes Blutungsrisiko umfassen. In der „Welt am Sonntag“ erschien nun ein Artikel, in dem Mediziner gesunden Menschen die präventive Einnahme nicht empfehlen.

Die Überschrift des am vergangenen Sonntag erschienenen Artikels ist deutlich: „Finger weg von Aspirin!“, heißt es dort. Die Tablette sei klein, weiß, harmlos – und billig. „Eine Tablette bekommt man in der Internetapotheke für weniger als zehn Cent“, erklärt Autorin Pia Heinemann. „Ein Spottpreis: Denn die kleinen weißen Pillen, Minidosen von Acetylsalicylsäure sollen vor Herzinfarkten, Schlaganfällen und sogar Krebs schützen. Vor den großen Krankheiten, den häufigsten Todesursachen.“

Keine Einnahme auf eigene Faust

Zwar bekommen viele Patient:innen die Substanz vom Arzt beziehungsweise von der Ärztin verordnet, doch die vermeintlich positiven Wirkungen haben sich herumgesprochen. Daher wird Low-dose-ASS häufig auch selbst gekauft und sogar ohne ärztliche Rücksprache eingenommen. Ärzt:innen warnen jedoch mittlerweile vor den Risiken und der unbedachten Einnahme: Der Nutzen werde überschätzt, die möglichen Nebenwirkungen seien zu groß.

Dabei ist ASS ein seit Jahrhunderten bekannter Wirkstoff. Seit Ende des 19. Jahrhunderts gelang erstmals die Herstellung in Reinform. „Seither machte ASS nicht nur als gängiges Schmerzmittel Karriere, sondern wird auch zur Prävention schlimmster Krankheiten eingesetzt“, erklärt die Autorin. Sogar die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Substanz als „unentbehrliches Medikament“ gelistet. Es hat also durchaus seine Daseinsberechtigung.

Präventiver Einsatz umstritten

„Doch immer häufiger werden Zweifel daran laut, dass Aspirin als Schutz vor Krankheiten wirklich sinnvoll ist. Denn es kann auch Schaden anrichten.“ Erst kürzlich wurde auch in den USA der Einsatz von Low-dose-ASS massiv eingeschränkt und die Empfehlungen und Leitlinien aufgrund neuerer Studienergebnisse angepasst. Doch auch hierzulande sehen Kardiolog:innen und Onkolog:innen den präventiven Einsatz kritisch.

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