Palmfett, Rezeptoren und Krebs

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Berlin -

Aktuell macht die Meldung die Runde, dass Palmfett krebserregend sei und das Fett die Streuung von bereits vorhandenen Tumoren beeinflussen könnte. Doch was ist dran an der Annahme? Können Palmöl-haltige Lebensmittel wie Haselnusscreme oder Convenience Food die Metastasierung von Krebs beeinflussen?

Wissenschaftler:innen des Institutes für Biomedizinische Forschung (IRB) in Barcelona konnten im Mausversuch zeigen, dass Palmitinsäure Einfluss auf die Krebsentwicklung nehmen kann. So konnten sie zeigen, dass Tumorzellen, die über einen gewissen Zeitraum hohen Konzentrationen von Palimitinsäure ausgesetzt waren, ein aggressiveres Profil aufwiesen. Diese aggressivere Zellform sorgt für eine Aktivierung der sogenannten Schwannschen Zellen. Dieser Zelltyp gehört zu den Gliazellen, die im Nervensystem wichtige versorgende und stützende Funktionen einnehmen.

Die Annahme, Palmitinsäure könnte Einfluss auf die Ausbreitung von Krebs haben ist hierbei nicht neu. Bereits vor mehreren Jahren gewannen die Wissenschaftler:innen durch Untersuchungen und Experimente hierzu Erkenntnisse: „2017 haben wir eine Studie veröffentlicht, die darauf hindeutet, dass Palmitinsäure mit einem erhöhten Metastasierungsrisiko korreliert, aber wir kannten den dafür verantwortlichen Mechanismus nicht“, berichtet Salvador Aznar-Benitah, Professor am IRB. In der nun aktuellen Studie kann der eigentliche Mechanismus beschrieben werden. „Das ist vielversprechend“, so Aznar-Benitah. Die Wissenschaftler:innen konnten eine Art Gedächtnisfaktor der metastatischen Kapazität aufweisen. Für den Versuch wurden Mäusen Tumorzellen und Melanome von Patienten die einer palmitinsäurereichen Ernährung ausgesetzt waren eingesetzt. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine palmölreiche Ernährung die Entwicklung von Krebs begünstigen könnte, selbst wenn die Exposition gegenüber dieser Fettsäure in einem sehr frühen Stadium der Erkrankung auftritt, in dem der Primärtumor möglicherweise noch nicht erkannt wurde“, so die Wissenschaftler:innen.

Das Interessante: Die durch die Fettsäure verursachten Veränderungen des Genoms (sogenannte epigenetische Modifikationen) von metastatischen Zellen sind dauerhaft, und folglich behalten die Zellen die „aggressivsten“ Eigenschaften auf stabile Weise bei.

Palmöl-Rezeptor versorgt Tumorzelle

Um zu metastasieren brauchen Krebszellen laut Aussagen der Forscher:innen vor allem Fettsäuren. Vereinfacht ausgedrückt: Palmitinsäure scheint betroffene Krebszellen geradezu zu reaktivieren oder zu erneuern. Die Zellen bilden neue Zusammenschlüsse – die Ausbreitung der Krebserkrankung wird gefördert. Nicht alle Zellen eines Tumors können metastasieren. Es scheinen vor allem diejenigen Zellen zu sein, die bestimmte fettempfindliche Rezeptoren aufweisen. Der CD36-Rezeptor versorgt die Krebszelle mit Fetten. Forscher:innen konnten ebreites 2017 zeigen, dass nicht metastasierende Tumorzellen, die mit CD36 ausgestattet wurden, plötzlich auch in der Lage waren zu metastasieren.

„Bei Mäusen mit humanen Tumorzellen scheint es eine direkte Verknüpfung zwischen dem Fettkonsum und der Fähigkeit über CD36 Metastasen zu bilden zu geben“, erläuterte Aznar-Benitah damals. „Wir brauchen weitere Studien, um den Zusammenhang von Ernährung und Metastasen klären zu können, vor allem, weil der Konsum von gesättigten Fettsäuren und Zucker in den industrialisierten Ländern dramatisch zugenommen hat. Fett ist für viele Körperfunktionen zwar unerlässlich, der unkontrollierte Konsum kann unsere Gesundheit aber durchaus beeinflussen, wie bereits am Beispiel von Darmkrebs und nun durch uns am Beispiel von Metastasen gezeigt wurde.“

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