Mögliche Monotherapien

Epilepsie in der Schwangerschaft Alexandra Negt, 30.07.2020 10:04 Uhr

Berlin - Nicht alle Antiepileptika eignen sich für Schwangere. Insbesondere der Wirkstoff Valproinsäure kann Auswirkungen auf die neurologische Entwicklung des Ungeborenen haben. Zuletzt hatte Frankreichs Justiz ein Ermittlungsverfahren gegen Sanofi wegen des umstrittenen Antiepileptikums Depakine (Valproinsäure) eingeleitet. Nun wurde erstmalig eine großangelegte Kohortenstudie zu den möglichen Folgen einer pränatalen Exposition gegenüber Antiepileptika durchgeführt. Bisher gilt Lamotrigin als Mittel der Wahl.

In einer nationalen Kohorten-Studie in Frankreich wurden nun erstmals die potenziellen Folgen einer pränatalen Exposition gegenüber antiepileptischen Arzneistoffen untersucht. Grundlage der Studie waren Daten der nationalen Gesundheitsversicherung, in der rund drei Viertel der Bevölkerung versichert sind. Insgesamt wurden Daten von 9000 Kindern ausgewertet. Alle waren einer pränatalen Exposition mit einem antiepileptischen Wirkstoff ausgesetzt.

Die Forscher wollten ein besseres Verständnis für den Zusammenhang zwischen Medikation und Auswirkungen auf das Kind erhalten. Im Fokus der Studie stand der Vergleich von Lamotrigin zu anderen antiepileptischen Arzneimitteln. Lamotrigin gilt bisher als Mittel der Wahl innerhalb einer Schwangerschaft. In die Studie eingeschlossen wurden Kinder, die zwischen 2011 und 2014 geboren wurden und deren Mütter laut Gesundheitsversicherung in der Schwangerschaft eine antiepileptische Monotherapie erhielten. Die gesundheitliche Entwicklung der Kinder wurde bis zum 31.12.2016 überprüft.

9034 Kinder erfüllten alle Einschlusskriterien und konnten in die Studie miteingeschlossen werden. Die Anzahl der Kinder teilte sich pro Wirkstoff wie folgt auf: Lamotrigin: 2916 Kinder, Pregabalin: 1627 Kinder, Clonazepam: 1246 Kinder, Valproinsäure: 991 Kinder, Levetiracetam: 621 Kinder, Carbamazepin: 502 Kinder, Topiramat: 477 Kinder, Gabapentin: 378 Kinder und Oxcarbazepin: 143 Kinder. 133 Kinder waren während der Schwangerschaft keinem Wirkstoff ausgesetzt. Nur Valproinsäure war mit einem erhöhten Risiko für einen der genannten Endpunkte assoziiert. Im Rahmen der Studie konnten erstmals Daten zu verschiedenen Wirkstoffen erhoben werden, über die es bislang keine oder nur wenige Literaturangaben gibt. Ein Kritikpunkt an der Studie ist jedoch die Nachbeobachtungszeit: Sechs Jahre ab Geburt seien zu kurz, um ein abschließendes Urteil bilden zu können, bemängeln Mediziner. Auch die Autoren empfehlen längere Nachbeobachtungszeiträume bei Folgestudien.

  • 1
  • 2

APOTHEKE ADHOC Debatte

Mehr zum Thema

Mehr aus Ressort

Weiteres
Coronavirus

Nach bisheriger Notfallzulassung

Covid-19: FDA lässt Remdesivir zu»

Jetzt auch in Deutschland

Corona-Antikörpertest bei dm»

Corona-Krise

Angst vor Lockdown vergällt Kauflaune»
Markt

Digitale Gesundheitsanwendungen

Mit App gegen Kopfschmerzen und Tinnitus»

Großhandel

Gehe: Noch eine Woche bis Alliance»

Herstellbetriebe

Medios: Schneider übergibt an Gärtner»
Politik

Cluster statt Einzelfall-Verfolgung?

Ärzte-Verband: „Haben die Kontrolle nicht verloren“»

Stärkstes Wachstum seit 1994

Destatis: Apotheken dank Corona „durchaus erfolgreich“»

Hohe Gesamtnachfrage

Kassenärzte: Grippeimpfung zuerst für Risikogruppen»
Internationales

Wegen drohender Opioid-Strafen

Walmart verklagt US-Regierung»

Opioid-Epidemie in den USA

Oxycontin: Purdue schließt Milliarden-Vergleich»

Pharmakonzerne

Takeda baut in Österreich»
Pharmazie

Wirksam gegen Viren, Bakterien und Pilze

Laryngomedin: Erste Octenidin-Lutschtablette»

Desoxycholsäure gegen Subkutanfett

Kybella: Doppelkinn einfach wegspritzen»

Auswirkungen auf die Psyche

Paracetamol: Weniger Angst, mehr Risiko?»
Panorama

Alte Apotheke Bottrop

Zyto-Skandal: Pfusch-Apotheker will Approbation zurück»

Welttag der Menopause

Wechseljahre: Offene Kommunikation hilfreich»

„Zetteltrick“

Lünen: Diebinnen geben sich als Botendienst aus»
Apothekenpraxis

adhoc24

Neustart bei Pro AvO / Reinhardt vs. Lauterbach / Corona-Gewinner Apotheken»

Positiver Test

Spahn mit Corona, Ministerium im Krisenmodus»

Lieferengpässe

Apothekerverband: Kein Austausch bei Grippeimpfstoffen»
PTA Live

Lokalanästhetika mit Klümpchenbildung

Rezepturtipp: Polidocanol»

Mikronährstoff-Stiefkinder

Wofür ist eigentlich Mangan?»

Schutzmaßnahmen und Zukunftssorgen

Apothekenteams fürchten langen Corona-Winter»
Erkältungs-Tipps

Erkältung, Allergie, Medikamente

Schnupfen ist nicht gleich Schnupfen»

Wenn die Temperatur steigt

Hausmittel bei Fieber: Wann und wie?»

Erkältung in Corona-Zeiten

No Go: Husten als Stigma»
Magen-Darm & Co.

Fremdkörpergefühl im Hals

Globussyndrom: Auch an den Magen denken»

Trendprodukt Selbsttests

Was können Darmflora-Analysen & Co.?»

Vitamin-B12-Mangel

Fehlender Intrinsic Factor»
Kinderwunsch, Schwangerschaft & Stillzeit

Supplemente in der Schwangerschaft

Folsäure & Jod: Nur die Hälfte ist versorgt»

Geschlechtsbestimmung

Mädchen oder Junge? Der Genetik auf der Spur»

Kaiserschnitt ist kein Muss

HIV und Schwangerschaft»
Medizinisches Cannabis

Sonder-PZN, Lieferengpässe & Co.

Retaxgefahr Cannabis»

Blüte, Extrakt, Kapsel

Cannabis: Schritt für Schritt zur Rezeptur»

Wie setzt sich der Abgabepreis zusammen?

Cannabis-Rezept: Taxierung»
HAUTsache gesund und schön

Verwöhnprogramm für die Haut

Pflege hoch zwei: Gesichtsmaske und Peeling»

Viel hilft nicht immer viel

Überpflegung der Haut»

Aufbau, Alterung und Pflege

Unterschiede von Frauen- und Männerhaut»