Repetitorium Antiepileptika

Vorsicht bei Lamotrigin und der Pille

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Berlin -

Achtung Wechselwirkung: Frauen, die mit Lamotrigin und einer Levonorgestrel-haltigen Pille behandelt werden, müssen in zweierlei Hinsicht aufmerksam sein. Sowohl die kontrazeptive als auch die antiepileptische Wirkung können beeinflusst werden.

Fall: Eine junge Frau soll auf eine neue Pille umgestellt werden. Verordnet ist nun eine hormonelle Kontrazeption aus Ethinylestradiol und Levonorgestrel. Die Dauermedikation der Epilepsie erfolgt mit Lamotrigin.

Analyse: Werden Lamotrigin und Ethinylestradiol/Levonorgestrel miteinander kombiniert, kann die Wirksamkeit des Antiepileptikums verringert werden. Der Grund: Die Clearance von Lamotrigin ist um etwa das Doppelte erhöht, somit sinkt der Wirkstoffspiegel – ein Verlust der Anfallskontrolle kann die Folge sein. Schwankungen können zudem auftreten, wenn die Frauen mit einer Pille verhüten, die ein einnahmefreies Intervall fordert. In dieser pillenfreien Woche kann der Lamotriginspiegel vorübergehend ansteigen.

Auch die kontrazeptive Wirkung kann durch Lamotrigin beeinflusst werden. Möglich ist eine Änderung der Clearance von Levonorgestrel, die mit mäßig ansteigenden FSH- und LH-Spiegeln einhergehen kann. Inwieweit sich die Ovulationsaktivität in den Ovarien ändert, ist nicht bekannt. Eine Verminderung der kontrazeptiven Wirkung ist möglich – Patientinnen sollten daher ihren Zyklus und jegliche Veränderungen beobachten und gegebenenfalls mit ihrem Arzt besprechen.

Lamotrigin ist ein Antiepileptikum und kann bei Kindern und Erwachsenen ab 13 Jahren sowohl als Zusatz- als auch Monotherapie partieller oder generalisierter Anfälle sowie tonischklonischer Anfälle eingesetzt werden. Der Wirkstoff findet in dieser Altersklasse ebenfalls Anwendung bei Anfällen, die in Zusammenhang mit dem Lennox-Gastraut-Syndrom stehen. Ab 18 Jahren kann Lamotrigin zur Behandlung bipolarer Störungen verordnet werden. So kann depressiven Episoden vorgebeugt werden.

Patienten erhalten im Rahmen der Epilepsie-Monotherapie in der ersten und zweiten Behandlungswoche 25 mg pro Tag. In den Wochen drei und vier werden täglich 50 mg Arzneistoff verabreicht. Die übliche Erhaltungsdosis beträgt 100 bis 200 mg pro Tag. Die Dosis kann einmal täglich oder auf zwei Einzeldosen verteilt eingenommen werden.

Die Wirkung kommt durch eine aktions- und spannungsabhängige Blockade der spannungsgsteuerten Natriumkanäle zustande. Der Wirkstoff besitzt antikonvulsive Eigenschaften, da die Freisetzung von Glutamat und die anhaltende repetitive Entladung der Neurone gehemmt werden.

Die Kombination aus Levonorgestrel und Ethinylestradiol ist in verschiedenen Kombinationspräparaten zur oralen Kontrazeption enthalten. Es stehen unterschiedliche Konzentrationen zur Verfügung. Die Fixkombination aus Estrogen und Gestagen verhindert zum einen den Eisprung und verändert zum anderen den Zervixschleim.

Kommunikation: Werden beide Arzneimittel kombiniert, kann eine Aufdosierung von Lamotrigin notwendig sein. Die Patientin sollte unter Beobachtung des Arztes stehen. Andersfalls kann ein anderes Kontrazeptivum gewählt werden.

Therapie: Oft sind Erhaltungsdosen um das Zweifache nötig, um die Therapie zu sichern und ein therapeutisches Ansprechen zu erreichen. Wird das hormonelle Kontrazeptivum wieder abgesetzt, kann entsprechend die Lamotrigin-Dosis reduziert werden.

Wird auf eine andere Kontrazeption ausgewichen, sollte eine Therapie ohne pillenfreie Woche Mittel der ersten Wahl sein. So können Schwankungen des Lamotriginspiegles vermieden werden. Denn steigt dieser, ist mit verstärkten Nebenwirkungen des Antiepileptikums zu rechnen. Auch eine nicht-hormonelle Verhütungsmethode kann in Betracht gezogen werden. Wechselwirkungen zwischen anderen oralen Kontrazeptiva oder Hormonersatztherapien und Lamotrigin wurden nicht untersucht. Möglicherweise könnten diese aber ebenso den Lamotrigin-Spiegel beeinflussen.

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