Repetitorium Bipolare Störungen

Vorsicht bei Lithium und NSAR

, Uhr
Berlin -

Schmerzmittel spielen im OTC-Geschäft eine große Rolle. Patienten suchen bei Gelenk- und Rückenschmerzen zuerst Hilfe in der Apotheke, denn ein Termin beim Orthopäden ist meist erst in mehreren Wochen in Aussicht. Bei der Abgabe von Analgetika ist jedoch auf Wechselwirkungen zu achten. Die Alarmglocken sollten beispielsweise bei der Kombination aus Lithium und Ibuprofen läuten.

Fall: Eine ältere Dame ist vor einigen Tagen auf dem feuchten Laub ausgerutscht und gestürzt. Seitdem plagen sie Rückenschmerzen. Die topische Anwendung von Schmerzgelen und Wärmebehandlungen waren nur mäßig erfolgreich. Eine Freundin habe Ibuprofen gegen die Schmerzen empfohlen. Im Laufe der W-Fragen ergibt sich eine Dauermedikation mit Lithium.

Analyse: Die Kombination aus Ibuprofen und Lithium kann zu einer Erhöhung der Serumlithiumspiegel führen. Grund ist eine verringerte Lithiumclearance, die womöglich vom tubulären Nierenprostaglandinsystem beeinflusst wird. Nicht-steroidale-Antirheumatika (NSAR) vermindern die glomeruläre Filtrationsrate und erhöhen die Lithiumrückresorption aus dem proximalen Tubulus. Somit steigt der Lithiumspiegel; die Folge können Intoxikationen sein.

Lithiumcarbonat wird zur Prophylaxe bipolarer affektiver Störungen und Episoden einer Major Depression eingesetzt. Außerdem kommt der Arzneistoff zur Therapie manischer Episoden sowie bestimmter akuter Depressionen zum Einsatz, wenn andere Antidepressiva nicht vertragen werden. Lithium besitzt eine geringe therapeutische Breite, daher sollten die Lithiumspiegel der Patienten kontrolliert werden. Die volle Wirksamkeit erreicht die Substanz in der Regel bei einem Spiegel von 0,5 bis 1,2 mmol/l. Patienten müssen einschleichend therapiert werden, bis die individuelle Dosis erreicht ist. Im Handel sind Retardtabletten, die üblicherweise morgens und abends mit Flüssigkeit eingenommen werden. Auf dem Markt sind verschiedene Lithiumverbindungen, die sich in ihrer Bioverfügbarkeit unterscheiden. Dies sollte bei einer Umstellung beachtet werden.

Der genaue Wirkmechanismus der Lithiumsalze ist bislang nicht vollständig geklärt. Vermutlich beeinflusst die Substanz die Freisetzung von Neurotransmittern wie Noradrenalin und Serotonin. Möglich scheint auch eine regulierende Funktion an den Membranen der Nervenzellen bedingt durch die chemische Ähnlichkeit von Lithium mit Kalium und Natrium. Diskutiert wird, ob Lithium im ZNS die durch Depolarisation ausgelöste und von Calcium abhängige Freisetzung von Noradrenalin und Dopamin verhindert. Lithium wird unverändert und nahezu vollständig renal ausgeschieden. Im Falle eines Serumanstiegs kann eine Intoxikation auftreten. Diese äußert sich beispielsweise in Symptomen wie Polyurie, Appetitlosigkeit, Durchfall, Erbrechen, Dehydratation, Elektrolytstörungen, Muskelschwäche, erhöhtem Muskeltonus, unfreiwilligen Muskelzuckungen, Müdigkeit, Koordinations-, Konzentrations- und Artikulationsstörungen, Verwirrtheit, Somnolenz oder Schwindel.

Ibuprofen zählt zu den OTC-Lieblingen. Das NSAR besitzt antiphlogistische, antipyretische und analgetische Eigenschaften. Ibuprofen hemmt im Arachidonsäurezyklus unselektiv das Enzym COX und in Folge die Bildung von Serie-2-Prostaglandinen als Entzündungsmediatoren. Darüber hinaus verfügt das Arylpropionsäurederivat über thrombozytenhemmende Eigenschaften. Zudem kann das NSAR Einfluss auf die lokal in der Niere gebildeten Prostaglandine nehmen, die für den renalen Blutfluss verantwortlich sind und somit die Durchblutung, die glomeruläre Filtrationsrate und die Reninsekretion beeinflussen.

Kommunikation: Von einer Kombination der Arzneimittel im Rahmen der Selbstmedikation ist abzuraten, auch wenn ein Anstieg der Lithiumspiegel erst nach einigen Tagen zu erwarten ist. Die Therapie gehört in Hände des Arztes.

Therapie: Die Kundin sollte ohnehin nach dem Sturz einen Arzt aufsuchen, um Folgeschäden auszuschließen. Dieser kann dann eine entsprechende Schmerztherapie ansetzen. Neben Ibuprofen sind auch andere COX-Hemmer ungeeignet. Wechselwirkungen zwischen Paracetamol und Lithium sind bislang nicht bekannt. Ist eine Gabe von Ibuprofen unumgänglich, müssen der Lithiumspiegel engmaschig kontrolliert und gegebenenfalls die Lithiumdosis angepasst werden.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Praxen erhalten Erstattung
2300 Euro für Konnektorentausch»
Hackerkollektiv „Zerforschung“
Datenpanne bei Doc Cirrus»
Schärfere Maßnahmen geplant
Affenpocken: USA rufen Notstand aus»
Per Aufkleber Daten über den Körper
Ultraschallpflaster: Blick ins Innere»
Nur drei von 21 Pasten können empfohlen werden
Kinderzahnpasta: Enttäuschung auf ganzer Linie»
Infektionskrankheiten mittels Bakteriophagen bekämpfen
Antibiotikaresistenz: Phagentherapie könnte helfen»
Kühlkette für mindestens 60 Stunden
Cube: Kühlbox für lange Flugreisen»
ApoRetrO – der satirische Wochenrückblick
Nur noch Stehbetten im Notdienst»
A-Ausgabe August
90 Seconds of my life»
Kompetenter Begleiter für alle Leser:innen ab 60
my life Senioren»
Das Kindermagazin der my life Familie
Platsch»