Sekundärprävention

Colchicin für Herzinfarkt-Patienten? Cynthia Möthrath, 29.09.2020 15:06 Uhr

Berlin - Das Alkaloid Colchicin ist derzeit nur zur Behandlung von Gicht zugelassen. Mehrere Studien konnten mittlerweile zeigen, dass es in niedriger Dosierung bei Patienten mit Herzinfarkt die Zahl der kardiovaskulären Ereignisse senken kann.

Colchicin ist ein Spindelgift und die natürlich vorkommende Substanz der Herbstzeitlosen. Die Anwendung des Alkaloids ist kritisch: Richtig dosiert kann es gegen die typischen Beschwerden eines akuten Gichtanfalls helfen. Initial wird bei einem solchen Gichtanfall 1 mg Colchicin eingenommen, zwei Stunden später erfolgt eine weitere Einnahme von 0,5 mg. Die Maximaldosis beträgt 2 mg pro Tag und 6 mg pro Gichtanfall. Die Dosierung der folgenden Tage wird individuell festgelegt. Wegen der geringen therapeutischen Breite darf die Höchstdosis nicht überschritten werden. Wird es überdosiert, kann es schnell zu Vergiftungserscheinungen kommen. In einigen Fällen kam es durch eine Falscheinnahme bereits zu Todesfällen. Durchfall und Erbrechen können ein erstes Anzeichen dafür sein.

Die Substanz hemmt die Fähigkeit der weißen Blutkörperchen daran, zielgerichtet zum Entzündungsherd zu wandern. Außerdem verhindert sie ein Anfeuern der Entzündungsreaktion durch eine gehemmte Produktion von proinflammatorischen Zytokinen. Colchicin gilt daher als antientzündlich und antiinflammatorisch. Entzündungsreaktionen gelten als Risikofaktor für das Fortschreiten von Atherosklerose. Der Ansatz einer möglichen Sekundärprävention ist daher zunehmend in den Fokus gerückt.

Colchicin zeigt Wirkung

Mehrere Studien haben sich in diesem Zusammenhang mittlerweile mit Colchicin beschäftigt: In die „Colcot-Studie“, deren Ergebnisse im vergangenen Jahr veröffentlicht wurden, waren mehr als 4700 Patienten eingeschlossen. In einem durchschnittlichen Alter von 61 Jahren hatten sie einen Herzinfarkt erlitten. Während der Studie wurden sie mit niedrigdosiertem Colchicin mit einer Tagesdosis von 0,5 mg behandelt. In der Nachbeobachtungszeit von 23 Monaten konnte schließlich ein Rückgang der kardiovaskulären Ereignisse beobachtet werden: Es kam zu weniger Krankenhausaufenthalten wegen Angina pectoris oder Schlaganfällen.

  • 1
  • 2

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema

Mehr zum Thema

Mehr aus Ressort

Weiteres
Coronavirus

"Vermummungsgebot"

Ärztepräsident zweifelt an Alltagsmasken – Lauterbach fordert Rücktritt»

Studie wird fortgesetzt

AstraZeneca: Toter Proband erhielt Placebo»

Corona-Pandemie

RKI: Private Treffen Hauptgrund für steigende Infektionszahlen»
Markt

Herstellbetriebe

Medios: Schneider übergibt an Gärtner»

Pharmahersteller

Dr. Falk: Wechsel in der Geschäftsführung»

Handelsmarken

ProSieben verkauft Windstar Medical»
Politik

Hohe Gesamtnachfrage

Kassenärzte: Grippeimpfung zuerst für Risikogruppen»

Datenschützer warnen vor Auswertung

eRezept ohne Ende-zu-Ende-Verschlüsselung»

Pandemie

EU-Kommission: Noch Monate bis zur Corona-Impfung»
Internationales

Opioid-Epidemie in den USA

Oxycontin: Purdue schließt Milliarden-Vergleich»

Pharmakonzerne

Takeda baut in Österreich»

Trotz steigender Infektionszahlen

Trump: „Pandemie ist bald vorbei“»
Pharmazie

Desoxycholsäure gegen Subkutanfett

Kybella: Doppelkinn einfach wegspritzen»

Auswirkungen auf die Psyche

Paracetamol: Weniger Angst, mehr Risiko?»

Chemo ja oder nein?

Brustkrebs: Weitere Biomarker-Tests als Kassenleistung»
Panorama

Alte Apotheke Bottrop

Zyto-Skandal: Pfusch-Apotheker will Approbation zurück»

Welttag der Menopause

Wechseljahre: Offene Kommunikation hilfreich»

„Zetteltrick“

Lünen: Diebinnen geben sich als Botendienst aus»
Apothekenpraxis

Lieferengpässe

Apothekerverband: Kein Austausch bei Grippeimpfstoffen»

Initiative Plan B

Pro AvO: Phoenix und Noventi starten alleine»

Stärkstes Wachstum seit 1994

Destatis: Apotheken dank Corona „durchaus erfolgreich“»
PTA Live

Lokalanästhetika mit Klümpchenbildung

Rezepturtipp: Polidocanol»

Mikronährstoff-Stiefkinder

Wofür ist eigentlich Mangan?»

Schutzmaßnahmen und Zukunftssorgen

Apothekenteams fürchten langen Corona-Winter»
Erkältungs-Tipps

Wenn die Temperatur steigt

Hausmittel bei Fieber: Wann und wie?»

Erkältung in Corona-Zeiten

No Go: Husten als Stigma»

Bronchitis, Pneumonie, Corona

Husten ist nicht gleich Husten»
Magen-Darm & Co.

Trendprodukt Selbsttests

Was können Darmflora-Analysen & Co.?»

Vitamin-B12-Mangel

Fehlender Intrinsic Factor»

Hilfe bei Obstipation, Hämorrhoiden & Co.

Ballaststoffe: Essenziell für die Verdauung»
Kinderwunsch, Schwangerschaft & Stillzeit

Supplemente in der Schwangerschaft

Folsäure & Jod: Nur die Hälfte ist versorgt»

Geschlechtsbestimmung

Mädchen oder Junge? Der Genetik auf der Spur»

Kaiserschnitt ist kein Muss

HIV und Schwangerschaft»
Medizinisches Cannabis

Sonder-PZN, Lieferengpässe & Co.

Retaxgefahr Cannabis»

Blüte, Extrakt, Kapsel

Cannabis: Schritt für Schritt zur Rezeptur»

Wie setzt sich der Abgabepreis zusammen?

Cannabis-Rezept: Taxierung»
HAUTsache gesund und schön

Verwöhnprogramm für die Haut

Pflege hoch zwei: Gesichtsmaske und Peeling»

Viel hilft nicht immer viel

Überpflegung der Haut»

Aufbau, Alterung und Pflege

Unterschiede von Frauen- und Männerhaut»