Colchicin: Kein Vorteil bei hospitalisierten Patienten

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Berlin - Colchicin ist bereits häufiger zur Behandlung von Covid-19 in den Fokus gerückt: Das Alkaloid der Herbstzeitlosen konnte in verschiedenen Studien gute Ergebnisse liefern, zudem wäre es eine kostengünstige Therapieoption, deren Risiken und Nebenwirkungen gut erforscht sind. In der britischen Recovery-Studie, die verschiedene Substanzen in Bezug auf Covid-19 untersucht, konnte die Substanz bei hospitalisierten Patienten nun jedoch nicht überzeugen – der Studienarm zu Colchicin wurde daher abgebrochen.

Colchicin gilt als antientzündlich und antiinflammatorisch: Es hemmt die Fähigkeit der weißen Blutkörperchen, zielgerichtet zum Entzündungsherd zu wandern. Außerdem verhindert die Substanz ein Anfeuern der Entzündungsreaktion durch eine gehemmte Produktion von proinflammatorischen Zytokinen. Daher galt das Mittel bislang vor allem als potenzieller Schutz vor einem Zytokinsturm im Rahmen der Covid-Infektion als vielversprechend.

Die Recovery-Studie testet seit über einem Jahr verschiedene Substanzen auf deren Einsatz bei Covid-19 – darunter auch Colchicin. An 180 Zentren wurden knapp 40.000 Menschen rekrutiert und auf verschiedene Behandlungen randomisiert. Verschiedene Wirkstoffe wie Dexamethason und das Biologikum Tocilizumab konnten durch die Studie bereits überzeugen.

Kein Plus bei hospitalisierten Patienten

Colchicin schnitt nun jedoch eher ernüchternd ab: Eine Zwischenauswertung konnte nicht belegen, dass die Überlebenschancen von hospitalisierten Covid-Patienten durch die Therapie verbessert werden. Seit November wurden mehr als 11.000 Menschen auf Colchicin oder Placebo randomisiert. In der Verum-Gruppe verstarben 20 Prozent, in der Kontrollgruppe waren es 19 Prozent. Damit konnte kein Vorteil für das Alkaloid ermittelt werden. Der Studienarm wurde daraufhin abgebrochen.

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