Mutter+Kind-Apotheke 2019

„50 bis 60 Säfte sind immer vorrätig“

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Berlin -

Vor 13 Monaten gründeten die Brüder Felix und Maximilian Wiegert die Charly-Apotheke im münsterländischen Gronau. Als die frisch gebackenen Inhaber ihren Fokus auf die Behandlung von Müttern und Kindern legten, ahnten sie noch nicht, dass sie damit automatisch im Rennen um die „Mutter+Kind-Apotheke des Jahres“ dabei waren. Davon erfuhren die Apotheker erst, als sie Post von den Organisatoren der Auszeichnung bekamen.

Mit dem Brief kam frohe Kunde: Die Charly-Apotheke ist die „Mutter+Kind-Apotheke des Jahres 2019“. Der Preis wird vom Inside Verlag verliehen, der das Mutter+Kind-Netzwerk ins Leben rief. „Ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt“, erzählt Felix Wiegert. Entsprechend groß sei die Freude über die Auszeichnung gewesen. „Gerade für uns als noch sehr junge Apotheke ist das etwas Besonderes“, so der Inhaber.

Dabei wählten die Brüder bei der Eröffnung der Charly-Apotheke zunächst noch einen anderen Fokus. „Wir haben uns auf Hautberatung spezialisiert, was super angelaufen ist. Dann haben wir eine Phytothek eingerichtet, auch das hat gut funktioniert“, so Wiegert. Die Folge war, dass viele Frauen den Weg in die Apotheke fanden. „Da lag es nahe, dass wir uns auf Mütter und Kinder konzentrieren, zumal dieser Bereich in der Apothekenlandschaft noch unterrepräsentiert ist“, erklärt der Apotheker.

Das neue Konzept sollte sich lohnen: „Es wird toll angenommen und wir werden von den Partnern in der Stadt, wie etwa Kindergärten oder Pflegeeinrichtungen, super unterstützt.“ Zudem sei es ein Vorteil, dass es mit den beiden Brüdern gleich zwei Inhaber gibt: „So hat jeder genug Zeit, etwa um Aktionen zu organisieren oder Vorträge zu halten“, freut sich Wiegert. Den damit verbundenen Zusatzaufwand nehmen die Inhaber und das Team gerne auf sich: „Wir sind zwar nur ein kleines Team, aber es ist für uns trotzdem viel mehr Spaß als Stress.“

Die Apotheker etablierten ein Mutter+Kind-Netzwerk in Gronau, halten regelmäßig Vorträge für Mütter in Kindergärten und sind auch in den sozialen Netzwerken sehr aktiv. „Wir haben 1300 Facebook-Fans. Das ist sehr ordentlich dafür, dass es uns noch nicht so lange gibt“, bilanziert Wiegert. Im Netz könne die Zielgruppe sehr gut abgeholt werden. Das findet auch Klaus J. Schaeper, Geschäftsführer des Inside-Verlags und der Mutter+Kind-Apotheken in Deutschland. Am Freitag kam Schaeper persönlich in die Charly-Apotheke, um die Auszeichnung an das Apothekenteam zu überreichen.

Das war jedoch nicht der einzige Gast bei der Preisverleihung. Auch Gronaus Bürgermeister Rainer Doetkotte schaute vorbei und lobte das Engagement der Apotheker sowie ihren wichtigen Beitrag für junge Familien in der Stadt. Außerdem hatten die Wiegerts mehrere Partner aus Kindergärten und anderen Einrichtungen eingeladen. Stellvertretend bedankte sich Birgit Hüsing-Hackfort, Leiterin der Kita „Zum Regenbogenland“ bei der Charly-Apotheke. Das Team sorge für mehr Wissen über ansteckende Krankheiten und fördere so das Wohlbefinden der Kleinsten.

Besonders stolz ist Wiegert auch auf das Lager der Charly-Apotheke: „Wir wollen jedes uns bekannte Antibiotikum auf Lager haben, circa 50 bis 60 Säfte sind gerade vorrätig.“ Niemand möchte gerne zweimal in die Apotheke kommen müssen. Aber bei Müttern sei es besonders wichtig, im ersten Anlauf liefern zu können, stellt der Apotheker heraus. Auch in Sachen Beratung müssten sich die Inhaber und die Angestellten besonders ins Zeug legen: „Unsere Kunden werden anspruchsvoller, so lernen wir immer wieder dazu. Mittlerweile bekommen wir Fragen gestellt, an die vor einem Jahr noch nicht zu denken war.“

Daher reiche es nicht, nur das Lager auf die besondere Zielgruppe anzupassen. Vor allem das Fachliche müsse passen. „Wir legen unseren Schwerpunkt auf die Beratung und haben uns auch ein umfassendes Wissen aufgebaut“, verrät Wiegert. Für die Apotheke vor Ort seien solche Spezialisierungen künftig unerlässlich, schätzt der Inhaber ein: „Wenn wir bestehen wollen, ist das zwingend notwendig.“ Schon vor der Eröffnung hätten die Brüder geschaut, mit welchem Angebot sie sich von anderen absetzen könnten.

So manch Entwicklung sahen die Inhaber trotz sorgfältiger Vorbereitungen jedoch nicht voraus. „Unsere Apotheke fand in einem früheren Baumarkt ihr Zuhause. Wir halten also eine Menge Platz, wollten aber keine Bahnhofshallenatmosphäre“, erinnert sich Wiegert. Also entschieden die Brüder sich bei den Umbauarbeiten für eine kleinere, gemütliche Offizin. Das sorgte nach der Spezialisierung auf Mütter und Kinder für Platzprobleme: „Wenn mehrere Mütter mit Kinderwagen reinkommen, wird es schon eng. Hätten wir vorher, welches Publikum wir haben, hätten wir natürlich anders geplant.“

Die Entscheidung, eine Mutter+Kind-Apotheke zu gründen, bereuen die Inhaber aber keinesfalls. In den 13 Monaten ihres Bestehens habe sich der Betrieb sehr gut behaupten können und sich als Ansprechpartner für die Bevölkerung etabliert. Der Name Charly-Apotheke geht übrigens auf ein tierisches Familienmitglied zurück. Zu Ehren des verstorbenen Familienhundes benannten die Brüder Wiegert ihre erste eigene Apotheke nach dem geliebten Jack Russell Terrier.

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