Raubserie

Berliner Apothekenräuber: „Ich konnte Ihre Angst sehen“ Tobias Lau, 19.02.2019 15:28 Uhr

Also öffnet er seinen Rucksack, nimmt das Messer heraus, läuft in die Apotheke und spult den Satz ab, der nach seiner Aussage zum Standardsatz bei allen Überfällen wurde: „Keine Diskussion, einfach das Geld raus!“ Innerhalb von Sekunden ist der Überfall vorüber. Er verlässt die Apotheke mit flottem Schritt, aber nicht fluchtartig. „Ich bin nicht gerannt, hab mich nicht versteckt, sondern hab mir was zu kiffen geholt und bin nach hause gegangen.“ Das erbeutete Geld habe er zum Spielen genutzt und um sich mit Freunden zu treffen. „Dabei habe ich dann gar nicht mehr an meine Taten gedacht.“ Als es ausgegeben war, musste die nächste Apotheke her. Keiner der Überfälle sei geplant gewesen, betont er. „Routine konnte gar nicht aufkommen, weil ich nach keiner Tat dachte, dass es eine weitere gibt.“

Auch dass er das Messer niemals eingesetzt hätte, beteuert er mehrfach. „Wenn die mir kein Geld gegeben hätten, wäre ich einfach wieder gegangen“, sagt er. Seine Opfer konnten das natürlich nicht ahnen. Vier von ihnen wurden noch am Dienstagvormittag vernommen: zwei Apothekerinnen, eine Pharmazieingenieurin und eine PTA. Den Ablauf schildern sie alle mehr oder weniger gleich, die Folgen der Ereignisse sind indes sehr unterschiedlich. Körperlich verletzt wurde keine von ihnen, nach seelischen Folgen gefragt, reichen die Reaktionen hingegen von Schulterzucken bis zu psychologischer Betreuung. „Ein paar schlaflose Nächte habe danach schon gehabt und manchmal ist mir etwas mulmig, wenn Kunden hereinkommen“, sagt eine der beiden Apothekerinnen. Krankgeschrieben oder in psychologischer Betreuung sei sie jedoch nicht gewesen.

Die andere Apothekerin klingt beinahe so, als könne sie dem Ereignis etwas Positives abgewinnen. Sie habe dadurch begonnen, sich mehr denn je um die Sicherheit ihrer Mitarbeiterinnen zu kümmern und die Sicherheitsmaßnahmen in ihrer Apotheke entsprechend hochgerüstet. Ganz anders sieht es die befragte PTA. Zwei Wochen sei sie krankgeschrieben gewesen, daraufhin in psychologischer Behandlung. „Ich gehe seitdem anders an die Arbeit, nicht mehr so ungezwungen“, berichtet sie. „Ich konnte Ihre Angst sehen und kann mich gut daran erinnern, dass sie gezittert haben“, sagt der Angeklagte ihr danach. „Und ich weiß, dass psychologische Therapie nicht schön ist, ich habe das auch schon durch. Ich hoffe, dass Ihnen so etwas nie wieder passiert.“

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