Filiale in Senzig schließt

Aus wegen Personalnot: „Alle wollen lieber mehr Life als Work“

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Berlin -

Personalnot, überbordende Bürokratie und mittlerweile eine 80-Stunden-Woche der Inhaberin Sandra Heyer: Die Jasmin-Apotheke in Senzig schließt zum 27. Oktober ihre Türen. „Im Prinzip sind es genau die Gründe die zur Schließung führen, die auch Thema am bundesweiten Apothekenprotesttag am 14. Juni waren“, so Heyer. „Bei der Personalsuche geben viele den Wunsch nach einer guten Work-Life-Balance an. Aber das heißt mehr Life als Work.“

„Ich kann niemanden einstellen, der zwar 30 Prozent über Tarif fordert, aber nur noch maximal einen Spätdienst pro Woche akzeptiert“, so die Inhaberin. Viele Apothekenmitarbeiter:innen würden sich entweder komplett umorientieren oder teils absurde Forderungen aufstellen: „Die Situation ist seit der Corona-Pandemie besonders schwierig. Einige Mitarbeiterinnen wollten sich schon länger verändern und sind schlussendlich nun gegangen, um was ganz anderes zu machen. Diese Personalnot konnten wir zuletzt nicht mehr auffangen“, so die Inhaberin.

Kräfte bündeln

Um die Ressourcen des verbleibenden Teams zu schonen, fiel die Entscheidung zur Schließung einer Filiale Heyers: „Wir bedauern die Schließung der Jasmin-Apotheke sehr, haben aber entschieden, die Personalkräfte lieber auf drei Apotheken zu bündeln, weil wir das Team in guter Gesundheit behalten wollen“, so die Apothekerin.

Nach Abwägung von wirtschaftlichen Gründen und Standortvorteilen fiel die Wahl letztlich auf die Filiale in Senzig. „Um die anderen drei Apotheken zu erreichen, müssen unsere Kund:innen nun leider über die Schleuse an der Dahme. Im Sommer kommt es dort auch mal zu längeren Wartezeiten aufgrund der vielen Hausboote, die die Schleuse queren. Das ist uns bewusst, aber wir können die Jasmin-Apotheke nicht mehr halten“, so Heyer.

Zuviele Notdienste

Die Inhaberin stemmt im Moment zudem eine 80-Stundenwoche, und alle 13 Tage sei sie mit einer ihrer Filialen mit Notdienst dran: „Durch die Filialschließung werden wir im Endeffekt noch öfter den Bereitschaftsdienst absolvieren müssen als zuvor“, so Heyer. „Eigentlich müsste der Notdienstbereich weiter gefasst werden. In langen Monaten haben wir dreimal Notdienst, das ist zuviel“, so die Apothekerin.

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