Fast 400 Apotheken weniger

Rekordrückgang bei Apothekenzahlen

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Berlin -

Die 18.000 hat gehalten – mit großer Wahrscheinlichkeit zum allerletzten Mal. Denn der Negativtrend bei den Apothekenzahlen hat sich im vergangenen Jahr dramatisch beschleunigt, wie eine Abfrage von APOTHEKE ADHOC bei den Landesapothekerkammern ergeben hat. Mit einem Rückgang um fast 400 Betriebsstätten wurde ein neuer Negativrekord erreicht.

Am 31. Dezember gab es den Zahlen zufolge in ganz Deutschland noch 18.070 Apotheken – ein neuer Negativrekord. Unter dem Strich verschwanden 391 Betriebsstätten – damit wurde der bisherige Negativrekord von 348 Schließungen aus dem Jahr 2019 gebrochen.

In einigen Kammerbezirken war die Entwicklung besonders auffällig: So gab es in Bayern am Jahresende 84 Apotheken weniger – das ist nicht nur mehr als der bisherige Höchstwert von 54 Schließungen im Freistaat im Jahr 2019, sondern auch bundesweiter Allzeitrekord. Auch in Niedersachsen (minus 50) und Hessen (minus 27) wurden neue Negativrekorde aufgestellt; in Nordrhein und Westfalen-Lippe setzte sich die bisherige Entwicklung mit 42 beziehungsweise 37 Schließungen fort. In Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern war der Rückgang erstmals zweistellig.

Spitzenreiter bezogen auf die Anzahl der Apotheken ist Bremen mit einem Rückgang von 3,6 Prozent; aufgrund der geringen Gesamtzahl gab es hier aber auch in den vergangenen Jahren schon große Schwankungen. Um 3,2 Prozent sank die Apothekenzahl im Saarland, um 2,8 Prozent in Niedersachsen und Bayern. In beiden großen Kammerbezirken hatte der Rückgang in den vergangenen Jahren stets unter 2 oder sogar 1 Prozent gelegen. Über dem bundesweiten Durchschnitt von 2,1 Prozent liegen außerdem Mecklenburg-Vorpommern (minus 2,6 Prozent) und Rheinland-Pfalz (minus 2,4 Prozent).

Während die Zahl von 18.000 Apotheken bundesweit wohl – wie vom Deutschen Apothekerverband (DAV) schon 2021 prognostiziert – in diesem Jahr fallen wird, vielleicht sogar schon im ersten Quartal, sanken die Zahlen auch in einzelnen Kammerbezirken unter relevante Schwellen: So gibt es in Bayern erstmals weniger als 2900 Apotheken, in Niedersachsen weniger als 1800, in Hessen weniger als 1400 und in Rheinland-Pfalz weniger als 900. In Baden-Württemberg fehlen drei Schließungen zur Grenze von 2300 Apotheken.

Die Zahlen im Überblick:

  • Mit 2303 öffentlichen Apotheken gab es in Baden-Württemberg Ende des Jahres 37 weniger als zum Jahresbeginn. Das entspricht einem Rückgang um 1,6 Prozent. Alleine im 4. Quartal gab es 21 Schließungen, dazu 2 Neueröffnungen und 8 Übernahmen.
  • Die bundesweit größte Anzahl an Schließungen meldet Bayern: 89 Apotheken haben ihre Türen geschlossen, lediglich 5 Betriebe wurden neu eröffnet. Damit bleiben von 2967 ein Jahr zuvor nur noch 2883 öffentliche Apotheken im Flächenstaat übrig, ein Rückgang um 2,8 Prozent.
  • 16 Schließungen und 3 Neueröffnungen gab es in Berlin. Damit sank die Zahl um 1,7 Prozent auf 736.
  • 10 Apotheken weniger als im Vorjahr gibt es in Brandenburg: 553 Apotheken, ein Rückgang um 1,8 Prozent.
  • „Wir werden immer kleiner“, kommentiert Kammergeschäftsführerin Dr. Isabel Justus den Trend in Bremen. Zum 31. Dezember gab es noch 135 Apotheken; die 5 Schließungen stehen für einen Rückgang um 3,6 Prozent. Zwar gab es eine Neueröffnung – diese Apotheke schloss allerdings noch im selben Jahr schon wieder.
  • Hamburg hat 6 Apotheken weniger, minus 1,6 Prozent. 375 sind es an der Zahl.
  • 37 Schließungen vs. 10 Neueröffnungen: In Hessen gab es zum Jahresende 1385 Apotheken, minus 1,9 Prozent.
  • In Mecklenburg-Vorpommern sind es zehn Apotheken weniger als zuvor, 372 insgesamt, ein Rückgang um 2,6 Prozent.
  • 51 Apotheken weniger gibt es Niedersachsen, 1755 an der Zahl. Ds entspricht einem Rückgang um 2,8 Prozent.
  • Die Apothekerkammer Nordrhein meldet 53 Schließungen und 11 Neueröffnungen, nach dem Rückgang um 2 Prozent bleiben 2043 Apotheken. „Unser dichtes Netz bekommt Löcher, das darf so nicht weitergehen“, so Kammerpräsident Dr. Armin Hoffmann. „Die Floskel vom Apothekensterben – jedes Jahr dieselbe Leier, aber es ändert sich einfach nichts“, ärgert er sich.
  • 1760 Apotheken sichern jetzt in Westfalen-Lippe die Versorgung, 37 beziehungsweise 2,1 Prozent weniger als im Vorjahr.
  • In Rheinland-Pfalz bleiben nach 28 Schließungen und 6 Neueröffnungen noch 894 Apotheken. Der Nettoverlust von 22 Standorten entspricht einem Rückgang um 2,4 Prozent.
  • Im Saarland schlossen neun Apotheken, damit bleiben noch 273 öffentliche Apotheken, 3,2 Prozent weniger als Ende 2012.
  • Die Apothekerkammer in Sachsen meldet einen Rückgang um 13 auf 925 Apotheken: 17 Schließungen stehen 4 Neueröffnungen gegenüber. Saldo: minus 1,4 Prozent.
  • 567 Apotheken gibt es jetzt in Sachsen-Anhalt, das sind 5 weniger als im Vorjahr oder 0,9 Prozent weniger.
  • In Schleswig-Holstein gab es 13 Schließungen und nur 3 Neueröffnungen. 604 Apotheken, 1,6 Prozent unter Vorjahr.
  • 11 Schließungen gab es in Thüringen, dazu 1 Neueröffnung. 507 Apotheken sind am Netz, 1,9 Prozent weniger.
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