Braunschweig

Apothekendieb: Verfolgungsjagd endet im Fluss

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Berlin -

Erst Pech gehabt und dann auch noch blöd angestellt: In Braunschweig wäre ein Apothekenräuber am Freitagmorgen besser im Bett geblieben. Erst wurde er verpfiffen, dann lieferte er sich eine Verfolgungsjagd – und am Ende landete er im Fluss. Dass er auf der Flucht dingfest gemacht wurde, ist vor allem der Geistesgegenwart einer PKA zu verdanken.

„Wie ein Ring umschließt der Fluss Oker die Innenstadt“, heißt es auf der Seite der Stadt Braunschweig. Wer das historische Stadtzentrum verlassen will, muss also entweder eine Brücke überqueren oder schwimmen – wobei letzteres erst ab Mai zu empfehlen ist. Für Erwägungen zu Wetter und Wassertemperatur hatte der Ladendieb, der bereits vergangenen Freitag angebadet hat, aber keine Zeit. Denn eine Apothekenkundin, eine PKA und nicht zuletzt die Polizei haben ihm gehörig den Tag verdorben.

Dabei ging der Tag schon recht chaotisch los. Morgens gegen neun Uhr tönte der Feueralarm in den Braunschweiger Schloss-Arkaden. „Da unsere Apotheke direkt neben den Notausgängen liegt, mussten wir uns um die Türen kümmern“, erinnert sich PKA Linda Penzel, die an dem Tag Dienst hatte. „Da fiel der Mann meiner Kollegin schon auf. Er war am Vortag schon bei uns gewesen und hatte sich komisch verhalten, hat Ware auf den HV geknallt und gebrüllt ‚Nee, zu teuer!‘“

Erst kam Entwarnung: Fehlalarm, nur ein kaputter Feuermelder. Doch es ging weiter. „Etwas später war ich gerade hinten, als meine Kollegin hereingeeilt kam und rief ‚Telefon! Ich ruf‘ jetzt die Polizei!‘“, erzählt die 22-Jährige. „Der klaut!“, hatte eine Kundin in der Offizin gerufen und den Dieb damit aufgeschreckt. Der nahm direkt die Beine in die Hand und flüchtete samt einer Papiertüte voller geklauter Nahrungsergänzungsmittel – ausgerechnet Vitasprint!

Doch PKA Janice Dannöhl reagierte geistesgegenwärtig und gab der Polizei schon beim Notruf eine genaue Täterbeschreibung. Die Polizisten fuhren direkt in Richtung der Apotheke und – wie es der Zufall so will – dem Dieb dabei über den Weg. Der hatte wahrscheinlich nicht damit gerechnet, sofort erkannt zu werden. Als ihm das Polizeiauto entgegenkam, ergriff er erneut die Flucht. „Die Polizei hat uns später erzählt, dass sie sich eine kleine Verfolgungsjagd mit ihm geliefert hat“, erinnert sich Penzel.

Der Täter war auf der Flucht. Doch da war ja noch die Oker, um die man nicht herumkommt, wenn man die Innenstadt verlassen will. Da sich Brücken als Nadelöhre nur bedingt für Fluchtversuche eignen, machte der 27-Jährige einen beherzten Sprung ins kalte Nass – offensichtlich in der Hoffnung, dass die Polizisten ihm nicht folgen würden. Damit behielt er auch recht. Sie warteten stattdessen einfach am anderen Ufer. Immerhin leistete er bei der Festnahme keinen Widerstand.

Der Delinquent muss nun mit einem Verfahren wegen gewerbsmäßigen Diebstahls rechnen. Es sei nach der Festnahme herausgekommen, dass er schon zuvor geklaut hatte, erklärt Penzel. Immerhin hat er die Papiertüte mit den geklauten Nahrungsergänzungsmitteln abgeworfen, bevor er in die Oker gesprungen ist. „Sonst wäre das auch noch unbrauchbar geworden“, so Penzel.

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