Drohender Lieferengpass

Paracetamol-Saft: Bald nur noch als Rezeptur?

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Berlin -

Paracetamol-Säfte waren in den letzten Wochen immer mal wieder nicht lieferbar. Dabei sind die Präparate bei Eltern sehr beliebt: Bei Fieber greifen viele Mütter und Väter zu flüssigen Paracetamol-Zubereitungen, auch Ärzt:innen verordnen das Analgetikum und Antipyretikum gerne. Doch die Marktsituation ist brenzlich. Mit Ratiopharm ist nur noch ein einziger Hersteller übrig, der die Säfte liefert. Die Festbeträge sind der Grund für den Ausstieg zahlreicher Firmen. Was bleibt, ist die Rezeptur. Doch wirklich wirtschaftlich ist diese Lösung auch nicht.

Pro Generika machte in dieser Woche auf einen weiteren drohenden Lieferengpass aufmerksam. Diesmal geht es um Paracetamol. Apotheken bemerken bereits seit längerem, dass es immer wieder zu Lieferschwierigkeiten bei dem Präparat kommt. So zeigte sich bereits Mitte März, dass viele Großhändler ausverkauft waren und Nachschub seitens der Hersteller ausblieb. Nun kündigte auch noch 1A Pharma an, die Produktion seines Paracetamol Saftes mangels Wirtschaftlichkeit einzustellen.

Im März erste Lieferengpässe

Platzhirsch Ratiopharm konnte seinen Paracetamol-Saft im März nicht liefern. Die kompletten Bestände seien Anfang März an den Großhandel ausgeliefert worden, so eine Sprecherin damals. „Hintergrund für den vorübergehenden Lieferausfall ist eine kurzfristig extrem gestiegene Nachfrage. Diese hat auch zu Lieferausfällen bei den Wettbewerbern geführt. Unsere eigene Pharmaproduktion kann diesen nicht einkalkulierten Bedarf so kurzfristig nicht decken.“

Und nun scheint Ratiopharm bald alleiniger Hersteller von Paracetamol-Säften zu sein. Zum 1. Mai hat 1A Pharma sein Produkt außer Vertrieb gemeldet. Laut den aktuell verfügbaren Abverkaufsdaten aus dem März verteilen sich die Marktanteile wie folgt:

  • Ratiopharm: 60 Prozent
  • 1A Pharma: 30 Prozent
  • Bene (Ben-u-ron): 10 Prozent

„Da Ben-u-ron deutlich über Festbetrag liegt, gehen wir davon aus, dass die Mengen von 1A größtenteils auf Ratiopharm übergehen werden und unser Marktanteil in Zukunft bei 90 Prozent liegen wird.“

Man sei sich der Verpflichtung bewusst, dass der Markt weiterhin mit Ware versorgt werden müsse, so die Sprecherin. Dementsprechend teilt das Unternehmen mit, dass an dem Vertrieb des Paracetamol-Saftes festgehalten wird. Dennoch: Nur ein Aussetzen von Festbetrag und Rabattverträgen würde die Situation auf lange Sicht entspannen, so Ratiopharm.

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