Paracetamol- und Ibuprofen-Engpass

Nachfrage nach Rezeptursubstanzen explodiert

, Uhr
Berlin -

Auch die Rohstofflieferanten spüren angesichts der Knappheit bei Schmerz- und Fiebersäften eine deutlich erhöhte Nachfrage nach Rezeptursubstanzen. Denn Apotheken und Großhändler wollen ihre Lager füllen. „Wir waren gefühlt über Nacht leer gekauft“, sagt Juliane Reinges, Geschäftsführerin von Caesar & Loretz (Caelo), bezogen auf Ibuprofen. Der Jahresbestand sei in zweieinhalb Wochen weg gewesen.

Im Markt gibt es seit längerem keine Paracetamol-Säfte mehr für Kinder. Auch Ibuprofen-Säfte sind nur noch schwer erhältlich. Daher steigen die ersten Apotheken auf Rezepturen um. „Bis gestern Nacht konnten wir noch Ibuprofen liefern“, sagt Reinges. In den nächsten fünf bis zehn Tagen soll die nächste Lieferung produziert und für die Abgabe an Apotheken und Großhändler fertiggestellt sein. Paracetamol sei noch genügend vorhanden.

200 Anrufe mehr pro Tag

„Unsere Hotlines laufen heiß“, sagt Reinges. Pro Tag gingen 200 Anrufe mehr von Kund:innen wegen der beiden Wirkstoffe ein. „Die Situation übersteigt den Abverkauf, den wir jemals mit so einem Produkt hatten.“ So eine Absatzsteigerung sei nicht planbar. Die Wirkstoffe seien auf dem Markt noch bestellbar. „Aber nicht in den Mengen, die wir uns wünschen“, so Reinges. Die Hersteller würden nur noch kontingentiert liefern.

Caelo weist auch darauf hin, dass weitere Inhaltsstoffe wie etwa Erdbeer- oder Orangenaromen für die Säfte mittlerweile nur schwer erhältlich seien. Bei den Packmitteln sehe es noch gut aus. „Es ist genügend vorhanden, wobei man angesichts der Energiekrise auch munkelt, dass Glasflaschen knapp werden könnten. Wir schauen gerade genau hin und passen unsere Bestellungen an“, sagt Reinges.

Nachfrage sechsmal so hoch

Der Engpass ist auch bei Fagron spüren: „Die Nachfrage nach den Rohstoffen Paracetamol und Ibuprofen ist in den letzten paar Wochen sehr stark gestiegen“, sagt Marketing-Managerin Jennifer Hahn. Ibuprofen gehöre generell nicht zum Sortiment. Bei Paracetamol seien noch mehrere Varianten und Packungsgrößen erhältlich. Auch die Suspensionsgrundlage SyrSpend SF PH4 sei noch ausreichend im Bestand. „Da die Nachfrage aber so schnell und immens hoch – das circa Sechsfache als normal – ist, können wir aktuell kein Paracetamol freies Pulver 250g liefern, doch die anderen Varianten sind noch vorhanden. Wir versuchen hier schnellstmöglich wieder lieferbar zu sein“, so die Apothekerin.

Auch bei Euro OTC Pharma in Bönen melden sich mehr Apotheken und fragen nach den beiden Wirkstoffen: „In den vergangenen Wochen ist die Nachfrage etwas mehr geworden“, sagt Vertriebsleiter Christoph Witzmann. „Es rufen Apotheken an und fragen, wie verfügbar Paracetamol und Ibuprofen sind.“ Das Unternehmen sei lieferfähig. Allerdings seien nicht alle Größen verfügbar.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Mehr zum Thema
Einsetzbar in Individual- sowie Magistralrezepturen
Rezeptur: Zwei neue Grundlagen von Physiogel »
Mehr aus Ressort
Zwei Scheiben Brot fürs Wochenende
Wenn die Apotheke ein Supermarkt wäre »
ApoRetrO – der satirische Wochenrückblick
Kassen schicken Geldtransporter zu Apotheke »

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Gericht verbietet „Entwarnungshinweis“
Von wegen „alkoholfrei“ – Restalkohol in Aspecton»
Lüdering geht früher von Bord
Apobank: Noch ein Vorstand weg»
Schlafprobleme bei Kindern möglich
Paracetamol: Gefahr in der Schwangerschaft?»
Diabetiker:innen bekommen Schwierigkeiten
Lieferengpass bei Insuman: Pen statt Patrone»
Zwei Scheiben Brot fürs Wochenende
Wenn die Apotheke ein Supermarkt wäre»
ApoRetrO – der satirische Wochenrückblick
Kassen schicken Geldtransporter zu Apotheke»
Funktion der Immunzellen gestört
Zecken: Speichel hemmt Abwehr»
Limit für geringfügige Beschäftigung erhöht
Minijob: 70 Euro mehr verdienen»
A-Ausgabe Oktober
90 Seconds of my life»
Kompetenter Begleiter für alle Leser:innen ab 60
my life Senioren»
Das Kindermagazin der my life Familie
Platsch»
Debatte geht in die nächste Runde
EMA befürwortet Biosimilar-Austausch»
Jede Verordnungszeile einzeln
Mehrfachverordnungen: Wie wird beliefert?»
Was wird von der Kasse erstattet
Retaxgefahr: Sprechstundenbedarf auf Rezept»