Interview Phagro

Trümper: Keine Retax bei Defekten Lothar Klein, 01.03.2016 10:03 Uhr

Berlin - Ohne greifbares Ergebnis endete ein Gespräch zwischen dem Großhandelsverband Phagro und dem Deutschen Apothekerverband (DAV) über die Problematik der Nicht-Lieferfähigkeit von Arzneimitteln. Im Interview mit APOTHEKE ADHOC fordert der Vorsitzende des Phagro, Dr. Thomas Trümper, jetzt die Krankenkassen auf, sich mit an den Tisch zu setzen. Weder Großhandel noch Apotheken trügen für Lieferprobleme die Verantwortung: „Deshalb dürfen auch Gründe, die nicht juristisch eindeutig der Lieferfähigkeit des Herstellers zuzuordnen sind, nicht zu einer Retaxation der Apotheke führen“, sagte Trümper.

ADHOC: Kassen retaxieren verstärkt Apotheker wegen Nichtlieferbarkeit von Arzneimitteln, weil der verlangte Nachweis des Großhändlers nicht erbracht werden kann. Was ist da los?
TRÜMPER: Es werden in der Regel entweder Nachweise vom Hersteller selbst oder vom Großhandel verlangt, in denen er die Nichtlieferbarkeit durch den Hersteller bestätigen soll. Das ist doch der Knackpunkt! Es reicht den Kassen nicht, wenn der Großhandel die Nichtlieferbarkeit bestätigt. Der GH soll bestätigen, dass der Hersteller nicht liefern kann. Auf den ersten Blick scheint dies für Außenstehende ein leicht lösbares Problem zu sein. In der Praxis erweist sich jedoch bei näherem Hinschauen der Weg eines Arzneimittels vom Hersteller bis zum Patienten als komplexer Vorgang. ADHOC: Was ist daran so kompliziert?
TRÜMPER: Das Problem ist vielschichtig. Da gilt es juristische Fallen zu vermeiden. Pharmazeutische Großhandlungen können gar keine juristisch eindeutige Bestätigung ausstellen. Würde der Großhandel auf Grundlage der ihm vorliegenden Informationen solch eine Bestätigung zu Lasten Dritter abgeben, könnte im Falle eines Rabattvertrages die Krankenkasse den Vertrag mit dem Hersteller kündigen. Dies wiederum könnte zur Folge haben, dass der Hersteller daraus eine Schadensersatzforderung an der Großhandel ableitet. Langwierige juristische Auseinandersetzungen mit ungewissem Ausgang wären unausweichlich. Dieser Gefahr kann sich kein Großhändler aussetzen. ADHOC. Es geht doch nur um die Frage, wann ist ein Hersteller nicht lieferfähig. Das müsste sich doch eindeutig definieren lassen.
TRÜMPER: Der Begriff „vom Hersteller nicht lieferbar“ ist eben nicht eindeutig. Der Großhandel bestellt beim Hersteller aufgrund von Vergangenheitsdaten rechtzeitig, sobald ein definierter Mindestbestand erreicht ist. Dabei ist es sein Ziel, stets lieferbereit zu sein, also niemals in einen Leerverkauf zu geraten. Wegen eines akuten Bedarfs kann der Markt aber in Ausnahmen auch schon mal schneller leergekauft werden, als dies zu erwarten war und der Hersteller kann nicht sofort nachliefern. Außerdem ist solch eine Aussage immer eine Momentaufnahme. Wird die Erklärung morgens um 10 Uhr abgegeben, so kann sie bereits um 12 Uhr schon nicht mehr korrekt sein, weil zwischenzeitlich Ware eingelagert wurde. Für den Großhändler ist dies aber zum Abfragezeitpunkt faktisch eine Nichtlieferbarkeit des Herstellers.

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