Generikahersteller

Dermapharm will um ein Viertel zulegen

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Berlin -

Dermapharm hat 2017 ein stabiles Wachstum hingelegt, das vom wachsenden Portfolio befördert wurde. Für das laufende Jahr sieht sich der Börsenneuling auf Kurs und will vor allem im Ausland zulegen: Ein Viertel soll das Wachstum insgesamt betragen.

Der auf Hautkrankheiten und Allergien spezialisierte Generikahersteller konnte die Umsatzerlöse um 5,1 Prozent auf 467,1 Millionen Euro steigern, 2016 waren es 444,5 Millionen. Das um die 2,7 Millionen Euro für die Vorbereitung des Börsengangs bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) konnte noch käftiger gesteigert werden. Hier steht ein Plus von 9,9 Prozent auf 112 Millionen Euro. Die bereinigte Ebitda-Marge beträgt dabei 24,2 Prozent.

Vor allem die Markenarzneimittel haben den Umsatz getrieben, sie sind um 7,6 Prozent auf 225,6 Millionen Euro gewachsen. „Die wesentlichen Wachstumsimpulse gingen von Präparaten aus, die durch Alleinstellungsmerkmale geprägt sind oder nicht im Fokus von Rabattverträgen mit Krankenkassen standen“, so der Vorstandsvorsitzende Hans-Georg Feldmeier. „Zudem konnten wir den Umsatzanteil von margenstarken Produkten, die von Endverbrauchern direkt gezahlt werden, weiter steigern. Und auch der Anteil an verschreibungspflichtigen Produkten im Selbstzahlerbereich erhöhte sich.“

Etwas weniger dynamisch entwickelte sich das Parallelimportgeschäft. Axicorp kann mit einem Wachstum von 3 Prozent auf 243 Millionen Euro seinen vierten Platz in der Reihe der deutschen Re-Importeure halten. Das Ebitda stieg hier um 16,4 Prozent auf 7,1 Millionen Euro. Hier hat es sich laut Konzern vor allem ausgezahlt, Geld durch die Inhouse-Verlagerung des Geschäfts mit reimportierten Betäubungsmitteln zu sparen.

Seit dem Herbst ist Dermapharm zudem auf Shoppingtour: Im September hatte der Konzern die Riemser-Sparte für hyperthermische Medizinprodukte erworben und Bite Away und Herpotherm auf dem deutschen Markt etabliert. Einen Monat später wurde Bio-Diät-Berlin übernommen und deren Umsätze im letzten Quartal erstmals konsolidiert, rund 2,6 Millionen Euro insgesamt. Im Januar folgten dann die beiden Konkurrenten Strathmann und Trommsdorf.

Die Wachstumsstrategie stützt sich neben diesen Akquisitionen auf die Erweiterung des Produktportfolios und eine zunehmende internationale Präsenz. 2017 hat Dermapharm 71 neue Marktzulassungen erhalten, davon 16 für Deutschland – unter anderem das Vitamin-D-Präparat Dekristol für das europäische Ausland, VITA aktiv B12, das Hautpräparat Solacutan und das Haarwuchsmittel Minoxicutan. Zudem wurde die Produktpipeline mit mehr als 40 laufenden Entwicklungsprojekten für neue Produkte in allen Produktbereichen von Dermapharm weiterentwickelt. Die Pipeline umfasst 28 Arzneimittel und andere Gesundheitsprodukte die voraussichtlich bis 2023 vermarktbar sein sollen.

Beim Ausbau der internationalen Präsenz – 2017 wurde eine Tochtergesellschaft in Großbritannien gegründet und Anfang dieses Jahres eine in Italien – soll als nächstes der spanische Markt an der Reihe sein. 2018 sollen kombinierte Zulassungsverfahren für mehrere Länder die Markteinführungen in Europa beschleunigen. Hinzu kommen die Markteinführungen der Riemser-Marken Bite Away und Herpotherm unter anderem in Belgien, Polen, Italien, Großbritannien, der Schweiz, den Niederlanden, Ungarn, China und Israel. Die werden gerade sowohl mit eigenen Auslandsgesellschaften als auch in Zusammenarbeit mit örtlichen Vertriebspartnern vorbereitet.

„Unsere attraktive Produktpipeline ist gut gefüllt, die Integration unserer übernommenen Unternehmen und Produkte verläuft planmäßig und auch mit Hinblick auf die Internationalisierung unseres Geschäfts machen wir die gewünschten Fortschritte“, zeigt sich Vorstandschef Feldmeier optimistisch. „Vor diesem Hintergrund erwarten wir für das Geschäftsjahr 2018 ein Umsatzwachstum zwischen 20 Prozent und 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr.“

Das 1991 gegründete Unternehmen Dermapharm führt in seinem Marken-Portfolio mit rund 900 Arzneimittelzulassungen für mehr als 200 pharmazeutische Wirkstoffe unter anderem Ciclocutan gegen Nagelpilz und Ketozolin Shampoo gegen Schuppenbildung mit Juckreiz und Rötungen. Zur Dermapharm-Unternehmensgruppe gehören auch Hübner Naturarzneimittel (Tannenblut, Silicea, Lactostop), der Generika-Anbieter Acis Arzneimittel, die Tiroler Nussöl Sonnenkosmetik und der Arzneimittelhersteller Mibe.

Den Hauptproduktionsstandort hat Dermapharm in Brehna bei Leipzig. Noch 2016 wollte Firmengründer Wilhelm Beier Dermapaharm für 1,1 Milliarden Euro an die Private-Equitiy-Gruppe BC Partners and Nordic Capital verkaufen, später machte er einen Rückzieher. Einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) zufolge war er zu dem Schluss gekommen, „dass sein Geld in Dermapharm doch besser angelegt sei“. Im Februar war Dermapharm als erstes deutsches Unternehmen des Jahres an die Börse gegangen und hat ein holpriges Debüt hingelegt: Die Aktie sackte zum Auftakt um gut sieben Prozent, von 28 auf 26 Euro, ab – dort steht sie noch heute.

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