Von Tele-Ärzten, Uralt-Edikten und Henkern

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Den Scharmützeln rund um den Ausstieg von Apotheken.de misst er wenig Bedeutung bei: „Das hat uns nicht überrascht, nein. Dieser Aufschrei ist ja auch fragwürdig, aber es passt natürlich ins Bild. Alles, was wir tun, wird mit Argusaugen betrachtet und im Zweifel negativ konnotiert.“ Den von der Noweda unterstützten Rechtsstreit hält er für „völlig irrelevant“. „Der Telemediziner stellt ein Rezept aus, und der Patient löst es ein, wo er es einlösen will. Dafür braucht es auch kein Apotheken.de.“

Vor etwa drei Jahren habe man bei Zur Rose erkannt, dass man wegkommen müsse von „monolithischen IT-Lösungen mit sehr hohen Abhängigkeiten“. Damals hatte Zur Rose den spanischen Marktplatz Promofarma gekauft, der nun zur Blaupause werden soll. Momentan gebe es nur Freiwahlprodukte, Arzneimittel seien die nächste Ausbaustufe. „Da ist jeder einzelne Apotheker superglücklich, weil er irgendwas um 10 Prozent mehr Umsatz macht“, so Oberhänsli gegenüber dem Tagesspiegel. „Das ist so was von offensichtlich, dass man sich in diese Richtung auf den Weg machen sollte. Es macht überhaupt keinen Sinn, wenn jeder Apotheker seine eigene Online-Strategie entwickelt, aber gemeinsam machte es eben sehr viel Sinn. Die Zukunft wird auch im Apothekenmarkt stattfinden.“

Der Vergleich mit Amazon greift aus seiner Sicht zu kurz. Laut Oberhänsli greift der permanente Vergleich mit dem US-Internetriesen zu kurz – „weil Amazon nur ein Marktplatz ist“. „Wir verstehen uns als eine Firma, die durch die Addition von digitalen Services den Medikationsprozess verbessern will“, sagte Oberhänsli im Interview mit dem Tagesspiegel. „Wir glauben, dass bei Arzneimitteln der Prozess mit Übergabe des Produkts eigentlich erst anfängt. Es geht um mehr als nur Convenience.“

Er sei überzeugt, dass das geplante Modell einen Kundennutzen stifte und Dinge besser abbilde, als sie vorher waren. „Am Ende entscheidet der Kunde, nicht der Apotheker“, so seine Botschaft. Womöglich soll aber auch die Kasse ein Wort mitreden, denn Oberhänsli schweben Kooperationsmodelle mit Versicherungen vor, wie er sie in der Schweiz bereits erprobt. Hier erfahre der Patient eine Begleitung, die man in der „tradierten Distribution“ so nicht kenne.

 

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