Eigenmarken

Großhändler werden Hersteller

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Berlin -

Der Einzelhandel setzt immer stärker auf Eigenmarken. Auch Pharmagroßhändler wittern ein Geschäft und bauen das Angebot für die Apotheken aus. Gehe bietet den Mitgliedern von „Gesund leben“ erstmals ein OTC-Präparat an. Auch die Noweda wirbt derzeit für die Sortimentserweiterung: Die Essener Genossenschaft hat unter der Marke „Für mich“ Hand- und Fußcremes auf den Markt gebracht.

Eigenmarken von Großhändlern gibt es seit längerem auf dem Markt: Gehe bietet bereits seit 1989 unter der Marke „Balance“ eigene Produkte an. Mit dem Start der eigenen Apothekenkooperation kam 2004 die Marke „Gesund leben“ dazu. Heute werden mehr als 80 Produkte angeboten. „Der Stücknutzen für Apotheken ist bei Eigenmarken in der Regel sehr gut“, sagt Gehe-Chef André Blümel. Außerdem erhielten Pharmazeuten eine zusätzliche Ertragsquelle.

Anfang der 1990er-Jahre war Gehe durch die Übernahme von Azuchemie, Aliud, Allphamed und Jenapharm in die Pharmaproduktion ein- und 1996 wieder ausgestiegen – ein Zugeständnis an die Industrie. Als erster Großhändler haben die Stuttgarter jetzt mit Ibuprofen akut 400 mg wieder ein OTC-Produkt für die Mitgliedsapotheken auf den Markt gebracht. Das Präparat wird vom Bielefelder Lohnhersteller Dr. Kleine produziert.

Die Firma ist den Apothekern als Cranberry-Hersteller für DocMorris sowie NAC-Lieferant für dm bekannt. Das Unternehmen hatte auch schon die Vitalsana-Eigenmarken für Schlecker hergestellt und gehört wie Vitalia zu Windstar Medical, einem der führenden Auftragshersteller für frei verkäufliche Arzneimittel in Deutschland.

Gehe will den Apotheken mit dem Sortiment ein Alleinstellungsmerkmal liefern: „OTC- und Freiwahl-Eigenmarken sind im Präsenzgeschäft eine Alternative gegenüber der hohen Preisagressivität der Versandapotheken“, so Blümel. Die Gehe-Kooperation zählt 2300 Mitglieder. Wie viele Apotheker das neue „Optimumkonzept“ samt der früheren Lloyds-Themenschwerpunkte Haut und Schmerz haben, will man in Stuttgart nicht verraten.

Die Noweda hat gleich drei verschiedene Marken im Gepäck: Vital, Pfote & Co. sowie „Für mich“. Angeboten werden Abnehmshakes, Nahrungsergänzungsmittel für Tiere sowie Kosmetik. Hand- und Fußcreme werden von der Berliner Firma Asam geliefert. Welche Ziele der Großhändler, der nichts von Kooperationen hält, mit den neuen Produkten verfolgt und ob weitere Marken folgen sollen, war bislang nicht zu erfahren. Insgesamt sind 18 verschiedene Produkte im Sortiment.

Auch die Sanacorp bietet für die Kooperationsmitglieder von „Meine Apotheke“ (mea) die Eigenmarke Sanatop mit rund 40 verschiedenen Produkten an. Neu im Sortiment ist die Kosmetikmarke „Samtweich“. Zur Genossenschaft gehört auch Genopharm. Die apothekenexklusive Eigenmarke wird über die Tochterfirma Richard A.L. Witt angeboten.

Unter den Privatgroßhändlern gibt es ebenfalls eigene Produkte für die A-Plus-Apotheken. Pharma Privat arbeitet bei Eigenmarken wie dem Nahrungsergänzungsmittel Amino etwa mit Arktis Biopharma zusammen.

Bei vom Großhandel unabhängigen Apothekenkooperationen sind Eigenmarken seit Jahren „en vogue“: Elac Elysée haben 2008 die Eigenmarke „elac“ eingeführt, seit 2013 gibt es die Kosmetikmarke „Elacare skin solution“. Die OTC-Produkte für die rund 400 Guten-Tag-Apothekenwerden unter anderem von Interpharm (Paracetamol/Ibuprofen) und Aristo (Nasenspray) geliefert.

Die Apothekenkooperation Parmapharm („Gesund ist bunt“) hat ihr Sortiment an eigenen Produkten zuletzt um Mückenschutzmittel erweitert. Das Geschäft mit Eigenmarken wächst laut Unternehmensangaben: Im vergangenen Jahr hat GIB Pharma Erlöse von 507.000 Euro erwirtschaftet, ein Plus von 10 Prozent.

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