USA

Abtreibungspille: Kundin fühlt sich bloßgestellt

, Uhr
Berlin -

Die US-Apothekenkette Walgreens hat erneut Ärger. Grund ist der Fall einer Frau, der ein Apotheker trotz ärztlicher Verschreibung eine Pille zum Schwangerschaftsabbruch verweigerte – aus ethischen Gründen, wie er angab. Der Fall löste in sozialen Medien Empörung aus und führte zu einer Untersuchung der Apothekerkammer Arizona.

Nicole Arteaga hatte ohnehin schon eine schwere Woche. Die 35-Jährige wollte ein zweites Mal Mutter werden. Nachdem sie bereits eine Fehlgeburt hatte, klappte es in diesem Frühjahr: Sie war schwanger. Mitte der Woche ging sie zu einer Zwischenuntersuchung zum Arzt, der ihr die Hiobsbotschaft überbrachte: Das Kind in ihrem Bauch habe keinen Herzschlag mehr, es war abgestorben. Er stellte sie vor die Wahl: Sie könne den Fötus chirurgisch entfernen lassen oder medikamentös abtreiben. Arteaga entschied sich für die zweite Option und erhielt das dazugehörige Rezept.

Tags darauf ging sie in Begleitung ihres siebenjährigen Sohnes in eine Walgreens-Filiale in Peoria, um das Rezept einzulösen – und wurde dort nach eigenen Angaben „öffentlich gedemütigt“. Denn ohne sich konkret zu erklären, weigerte sich der Apotheker, ihr das Präparat auszuhändigen. Er habe lediglich darauf beharrt, dass er das aus „ethischen Gründen“ nicht tun könne, schildert Arteaga der Tageszeitung Arizona Republic den Verlauf der Ereignisse.

Zunächst habe sie sich schwer damit getan, dem Apotheker den Ernst der Lage deutlich zu machen, schließlich stand ihr kleiner Junge neben ihr. Doch es schien nicht anders zu gehen. „Ich habe versucht, es ihm zu erklären: ‚Ich muss diese Medikamente nehmen, weil ich einen abgestorbenen Fötus in mir habe.‘ Aber er weigerte sich immer noch. Er stand nur da und sah mich schweigend an.“ Zu ihrer ohnehin schwierigen emotionalen Situation nach dem Verlust des Kindes sei nun die Scham gekommen, dem Apotheker vor fünf weiteren Kunden in Hörweite die Situation erklären zu müssen.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Ärzte drohen mit Ausstieg aus Gematik
E-Rezept: KBV rechnet mit Spahn ab»
Versandverbot für Notfallkontrazeptiva
Switch-Vorbild „Pille danach“?»
Dosierung, bedenkliche Stoffe, Preis
Retaxgefahr Rezeptur»
Rechtliche und pharmazeutische Aspekte
Grauzone: Abgabe von mehreren OTC-Packungen»