USA

Gläubige Apotheker müssen „Pille danach“ abgeben

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Berlin -

Auch streng gläubige Apothekeninhaber müssen Notfallkontrazeptiva abgeben, entschied der Oberste Gerichtshof der USA. Die familiengeführte Apotheke Ralph's Thriftway pharmacy hatte gegen eine Verordnung des Bundesstaats Washington geklagt, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Die Richtlinie sieht vor, dass Apotheker sämtliche Rezepte zeitnah beliefern müssen.

Das Gericht lehnte laut Bericht die Berufung der Apotheke und zwei weiterer Pharmazeuten aus anderen Apotheken ab. Damit wurde das Urteil der Vorinstanz bestätigt: Die Vorschrift des Bundesstaats folge aus dem berechtigten Interesse des Staats an Patientensicherheit, hatte ein Berufungsgericht in San Francisco geurteilt.

Die Familie Storman, die Ralph's Thriftway pharmacy in Olympia im Staat Washington führt, hatte sich bei ihrer Klage auf Religionsfreiheit berufen. Die Apotheker der Familie sind streng gläubige Christen, die Notfallkontrazeptiva mit Abtreibung gleichsetzen und beides ablehnen.

38 weitere Staaten und Apothekerverbände hatten den Gerichtshof darüber hinaus angehalten, sich mit dem Fall zu beschäftigen. Denn Apotheken in den USA dürfen im Allgemeinen selbst entscheiden, welche Präparate sie führen.

Der Staat Washington räumt einzelnen Apothekern das Recht ein, die Pille danach aus Glaubensgründen zu verweigern. Bedingung dafür ist jedoch, dass ein anderer Apotheker derselben Apotheke das Medikament zeitnah abgibt.

Der konservative Richter Samuel Alito des Obersten Bundesgerichtshofs sieht darin für gläubige Apothekeninhaber ein Dilemma: „Arbeite gegen deine tiefsten religiösen Überzeugen – oder verabschiede dich vom Apothekenmarkt“, zitiert ihn Reuters. Alito erkennt hinter der in Washington geltenden Regelung „Feindseligkeit gegenüber Apothekern, deren religiöse Ansichten zu Abtreibung und Verhütung nicht der vorherrschenden Meinung im Staat entsprechen“.

Kristen Waggoner, die als Anwältin der konservativen christlichen Rechtsgruppe Alliance Defending Freedom die Apothekerfamilie vertreten hat, sagt: „Amerikaner sollten die Freiheit haben, friedlich und im Einklang mit ihrem Glauben zu leben und zu arbeiten – ohne Angst vor ungerechten Strafen.“ Niemand solle gezwungen werden, sich daran zu beteiligen, menschliches Leben zu töten.

2014 hatte der Oberste Gerichtshof im Sinne von christlichen Konservativen entschieden: Einzelne Unternehmen dürfen sich wegen ihres Glaubens weigern, für ihre Arbeitnehmer Krankenversicherungen abzuschließen, die Frauen die Pille danach bezahlen. Eigentlich sieht das Krankenversicherungsgesetz der USA, umgangssprachlich Obamacare genannt, die Kostenübernahme für alle Kontrazeptiva vor. Die öffentlichen Meinungen gingen im Fall auseinander.

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